Christian Kupke
Geschlecht, Geschichte I
Vortrag zum Verhältnis von Psychoanalyse und Philosophie
für Heidrun Ostertag
Meine Damen und Herren! Im dritten seiner >Beiträge zur Psychologie des Liebeslebens< verweist Freud auf eine von ihm dort so bezeichnete "paläobiologische Spekulation" Ferenczis1, die von den ansonsten so fleißigen - ja überfleißigen - Herausgebern der Studienausgabe keiner einzigen bibliographischen Fußnote für wert befunden wurde und die auch sonst, wenn ich recht sehe, nur wenig oder überhaupt keine Beachtung gefunden hat. Jedenfalls, Freud hielt sie einer Annotation für würdig, und zwar in einem Zusammenhang, der ihre Bedeutung für den psychoanalytischen Diskurs keineswegs mindert, sondern vielmehr erhöht - und der, wenn Sie mir diese Anmerkung gestatten, statt sie zu marginalisieren, sie vielmehr in dasjenige Zentrum rückt, um das Es sich überhaupt dreht, wenn wir von Psychoanalyse reden2, und in dem sich zumindest noch zwei weitere Spekulationen versammeln dürften: der Mythos vom menschheits- und individualgeschichtlichen Vatermord und das "Es war einmal" des Vorganges der mythischen Verneinung3. - Diesen Zusammenhang möchte ich Ihnen zunächst, anhand zweier Zitate, kurz darstellen und damit den Rahmen abzustecken versuchen, in dem Sie die dann folgenden Bemerkungen meines kleinen Vortrages - ich hoffe, problemlos - werden eintragen können.