Christian Kupke
Kontextuelle Negativität
Einige Annotate zur Auseinandersetzung von Philosophie
und Philosophiewissenschaft
Wenn durch die Zeilen der folgenden Annotate (die einem in den Jahren 1986 bis 1992 erstellten Textkonvolut entstammen) einige Begriffe geistern, die - wie die Geister von Verstorbenen, als lebten sie noch und wären nicht tot - den Geist dieses Konvolutes ausmachen sollten: Idealität, Spekulation, Wahrheit..., so wird man zwar berechtigterweise fragen können, was mich denn so optimistisch stimme, diese Begriffe gerade heute, durch eine Praxis der Schrift, aufs neue beleben zu können. Doch muß ich hier korrigieren: nicht diese Begriffe sind es, sondern ihre Signifikanten, deren Signifikate, durch den Scheidungsprozeß der Kritik, von jenen zu trennen sein dürften. Um das, was von ihnen, im Scheidungsprozeß der Zeit, wie zerstreut und versprengt auch immer, bewahrt werden kann und muß, erneut -- zu arrangieren, zu collagieren und zu montieren. - Ist diese Zeit eine Zeit des Experiments, eine Zeit, in der auch die Philosophie nicht weiß, woher sie kommt, was sie ist und wohin sie will1, so wird - nach den allzu klaren Antworten, die die Philosophiewissenschaft auf diese Fragen zu geben scheint - eine gewisse Undeutlichkeit und Unverständlichkeit, eine gewisse Offenheit und ein gewisses Dunkel in der Verzahnung von Signifikant und Signifikat, in der Konstituierung des Zeichens durchaus nicht auszuschließen sein. Positiv formuliert: es wird einer, auch ästhetisch und spekulativ, sich über sich selbst verständigenden Philosophie wieder mehr Raum gegeben werden müssen Und es muß der terminale Gehalt dieser Geisterbeschwörung: >>das Alte, Bekannte und von den Vätern Überlieferte solo noch einmal, womöglich auf eine innerlichere Weise, lesen [zu] wollen2, noch einmal überdacht, noch einmal neu gelesen werden, als das, was er, als in Texten überlieferter, ist: >>die freie, selbständige Bedeutung, d.i. nicht eine Bedeutung von irgend etwas, sondern das sich selbst Bedeutende und damit auch sich selber Deutende. Dies ist das Geistige, welches überhaupt sich selbst zum Gegenstande seiner macht.<<3