Text-Nummer: 0006

Schaltung am: 01.06.1996
Rubrik(en): Forschung und Wissenschaft
Umfang des Textes in Zeichen: 25521
Verfasser(in): Christian Kupke
Geschrieben am:
Kürzel: CK
Originaltitel: Freud, Ferenczi und Hegel. Referat einer Untersuchung zum Verhältnis von Psychoanalyse und Philosophie
Copyright: Christian Kupke
Veröffentlichungsabsicht von/am:
Veröffentlicht von/am: Diskurier 4 (1994), Karlsruhe 1994, S. 47ff
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Diskussion/Leserbriefe:

Christian Kupke

Freud, Ferenczi und Hegel. Referat einer Untersuchung zum Verhältnis von Psychoanalyse und Philosophie

Um eine Antwort zu finden auf die Frage nach dem Verhältnis von Psychoanalyse und Philosophie gibt es für jede Untersuchung prinzipiell zwei Wege: Zum einen kann man aus einer (sicherlich je unterschiedlichen und auch unterschiedlich gewichteten) Kenntnis sowohl des philosophischen als auch des psychoanalytischen Diskurses einige mehr oder minder generelle Beobachtungen mitteilen, die entweder die Konvergenz oder aber die Divergenz der beiden Diskursformen betonen. Und man kann zum anderen, auf der Grundlage konkreter Beispieltexte, auch anhand eines spezifischen Themas eine zumindest ausschnitthaft verläßliche Beurteilung des in Frage stehenden Verhältnisses zu formulieren versuchen.
Auf diesen zweiten Weg - denn der erste ist schon des öfteren eingeschlagen worden - habe ich mich das erste Mal 1990 in einem in der Berliner "Psychoanalytischen Assoziation - Die Zeit zum Begreifen" gehaltenen Vortrag begeben1 und dabei zeigen können, daß zwischen gewissen ursprungsspekulativen Mythen der Psychoanalyse und der Philosophie strukturelle Identitäten bestehen, die zumindest die These von der vollständigen Divergenz der beiden Diskursformen zweifelhaft erscheinen lassen. Die von mir in diesem Zusammenhang ausgewählten Texte waren folgende: zum einen derjenige Teil von Ferenczis Genitaltheorie, in welchem dieser seinen, von Freud als paläobiologische Spekulation bezeichneten Mythos vom Ursprung des geschlechtlichen Seins vorstellt2, und zum anderen das sogenannte Herr-und-Knecht-Kapitel der Hegelschen >Phänomenologie<, in welchem sich eine soziokulturelle Spekulation als Mythos vom Ursprung des geschichtlichen Seins ausmachen läßt3. Die Ergebnisse meines Vergleiches dieser beiden Texte möchte ich zunächst (in den ersten beiden Teilen) kurz vorstellen, um sodann einige Überlegungen zu referieren, die ich gleichfalls in der Psychoanalytischen Assoziation vorgestellt habe und die bislang noch nicht veröffentlicht wurden.


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