Text-Nummer: 0007

Schaltung am: 01.06.1996
Rubrik(en): Forschung und Wissenschaft
Umfang des Textes in Zeichen: 25079
Verfasser(in): Christian Kupke
Geschrieben am:
Kürzel: CK
Originaltitel: Was das heißt: Hereingeleimtwerden. Bruchstücke einer Traumanalyse
Copyright: Christian Kupke
Veröffentlichungsabsicht von/am:
Veröffentlicht von/am: Diskurier 5 (1994), Karlsruhe 1994, S. 79ff;
eine veränderte Fassung ist erschienen in:
Psychoanalyse, Psychiatrie, Institution, Entwurf Bd. 1, Frankfurt a.M. 1995, S. 37ff
Übersetzungstitel:
Übersetzer(in):
Copyright Übersetzung:
Diskussion/Leserbriefe:

Christian Kupke

Was das heißt: Hereingeleimtwerden
Bruchstücke einer Traumanalyse

In einem Vortrag mit dem Titel "Zwang und Panik"1 hat sich vor kurzem noch einmal Hinrich Lühmann mit dem Lacanschen Theorem der Angst auseinandergesetzt. Dieses Theorem besagt, daß es in Zuständen der Angst, anders als in solchen der Furcht, nicht zu einer Begegnung mit dem (Einzel-)Objekt, sondern mit dem Realen komme, daß also, wie Lacan es in seinem Seminar "L'Angoisse" sagt, die Angst zwar nie ganz ohne Objekt sei, aber daß man auch nicht wisse, um welches Objekt es sich handele2. In diesem Zusammenhang hat Lühmann verständlich zu machen versucht, daß die sprachlose Panik der Angst nicht als Todes-, sondern als Lebensangst aufzufassen sei: als >>Angst vor dem Realen, insofern es unser biologisches Leben ist. Leben, das sich vielleicht so fassen läßt: Leben minus all das, was das Menschliche als Sprechwesen ausmacht...<<3
Diese, meines Erachtens bedenkenswerte Hypothese entwickelt Lühmann in zwei Durchgängen: zum einen anhand eines Kommentars von "Hemmung, Symptom und Angst" und zum anderen anhand dezidierter Hinweise auf die Panik des sogenannten Zwangsneurotikers. Auf einige dieser Hinweise möchte ich mich im folgenden stützen und sie durch Bezugnahme auf die Deutung eines Traumes ergänzen, der sich mir als der Traum eines solchen Zwangsneurotikers entschlüsselte. Ich hoffe dabei, den Beitrag Lühmanns in einem der von ihm angesprochenen, die Praxis der Psychoanalyse betreffenden Punkte ergänzen zu können und so zu dem, was man die "Klinik der Psychoanalyse" nennen könnte, ein wenig beizutragen.


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