Christian Kupke
Was das heißt: Hereingeleimtwerden
Bruchstücke einer Traumanalyse
In einem Vortrag mit dem Titel "Zwang und Panik"1
hat sich vor kurzem noch einmal Hinrich Lühmann
mit dem Lacanschen Theorem der Angst auseinandergesetzt.
Dieses Theorem besagt, daß es in Zuständen
der Angst, anders als in solchen der Furcht, nicht
zu einer Begegnung mit dem (Einzel-)Objekt, sondern
mit dem Realen komme, daß also, wie Lacan es
in seinem Seminar "L'Angoisse" sagt, die
Angst zwar nie ganz ohne Objekt sei, aber daß
man auch nicht wisse, um welches Objekt es sich handele2.
In diesem Zusammenhang hat Lühmann verständlich
zu machen versucht, daß die sprachlose Panik
der Angst nicht als Todes-, sondern als Lebensangst
aufzufassen sei: als >>Angst vor dem Realen,
insofern es unser biologisches Leben ist. Leben, das
sich vielleicht so fassen läßt: Leben minus
all das, was das Menschliche als Sprechwesen ausmacht...<<3
Diese, meines Erachtens bedenkenswerte Hypothese entwickelt
Lühmann in zwei Durchgängen: zum einen anhand
eines Kommentars von "Hemmung, Symptom und Angst"
und zum anderen anhand dezidierter Hinweise auf die
Panik des sogenannten Zwangsneurotikers. Auf einige
dieser Hinweise möchte ich mich im folgenden stützen
und sie durch Bezugnahme auf die Deutung eines Traumes
ergänzen, der sich mir als der Traum eines solchen
Zwangsneurotikers entschlüsselte. Ich hoffe dabei,
den Beitrag Lühmanns in einem der von ihm angesprochenen,
die Praxis der Psychoanalyse betreffenden Punkte ergänzen
zu können und so zu dem, was man die "Klinik
der Psychoanalyse" nennen könnte, ein wenig
beizutragen.