Christian Kupke
Philosophie und Wissenschaften der Psyche: Ist Philosophie eine Wissenschaft, und kann es eine Philosophie der Psyche geben?
Vortrag in der "Gesellschaft für Philosophie und Wissenschaften der Psyche" am 26.5.94
(Entwurfsfassung)
Meine Damen und Herren! Sicherlich kann man die im Titel
meines Vortrages gestellten Fragen auf sehr unterschiedliche
Art und Weise zu beantworten suchen; aber sicherlich
muß man dabei eine Grundentscheidung treffen,
die für die philosophische Forschung immer wieder
von großer Bedeutung gewesen ist und die, wenn
ich recht sehe, auch weiterhin von großer Bedeutung
sein wird: nämlich die zwischen einer historischen
und einer systematischen Betrachtungsweise. Im Idealfall
- nämlich um der Vollständigkeit halber -
wird man wohl beide Herangehensweisen ausprobieren
müssen; aber in einem Kurzvortrag wie diesem scheint
mir doch die systematische Betrachtungsweise am angemessensten
zu sein. Wobei man allerdings immer im Auge behalten
sollte, daß auch eine systematische Betrachtungsweise
von historischer Relativität ist, d.h. daß
die Kategorien, die man in dieser Betrachtungsweise
verwendet, allenfalls den neuesten Stand der Begriffsbildung
widerzuspiegeln vermögen, und daß es also
nicht ausgeschlossen, vielmehr impliziert ist, daß
die herangezogenen Kategorien sich in ihrer Bedeutung
verändern.
Was nun den soeben bezeichneten "neuesten Stand
der Begriffsbildung" anbelangt, so muß ich
allerdings auch hier sogleich eine Einschränkung
formulieren: Um der Einfachheit willen nämlich,
die mir für einen Vortrag wie diesen angebracht
zu sein scheint, werde ich fast alle die Probleme nivellieren
müssen, die sich ergeben, wenn man die Frage stellt,
was denn diesen "neuesten Stand der Begriffsbildung"
ausmacht. Mit anderen Worten, ich werde mich auf ein
gleichsam "lexikalisches" Niveau begeben
und die im Titel gestellten Fragen systematisch so
zu beantworten versuchen, daß ich von so etwas
wie einem "Konsens in der Begriffsbildung"
ausgehen möchte, um - von diesem Konsens mich
abstoßend - zu einem Verständnis vor allem
von Philosophie und Psyche zu gelangen, das Ihnen vielleicht
ungewöhnlich erscheint und selber so etwas wie
eine "neue Begriffsbildung" andeuten oder
in sie einleiten könnte.