Christian Kupke
Das binaristische Fundament phänomenalen Bewußtseins. Zum aspektdualistischen materialistischen Monismus in der Gehirntheorie
(Entwurfsfassung)
In den gehirntheoretischen Debatten zum Status des Bewußtseins sind grundsätzlich zwei Formen des materialistischen Monismus denkbar: ein starker, eliminativer Materialismus, der phänomenales Bewußtsein überhaupt leugnet bzw. die sogenannte Selbstevidenz dieses Bewußtseins unter Fiktionsverdacht stellt, und ein schwacher, nicht-eliminativer Materialismus, der eine solche Evidenz gleichwohl annimmt und deshalb glaubt, Bewußtsein generell sowohl unter neuronalen als auch mentalen Gesichtspunkten thematisieren zu können. Da aber auch der Dualismus glaubt, phänomenales Bewußtsein unterstellen zu dürfen, stellt sich die Frage, worin sich die nicht-eliminative, monistische Position von der explizit dualistischen Position unterscheidet. Unabhängig von der konkreten Beantwortung dieser Frage wird man aber generell davon ausgehen können, daß auch von dualistischer Seite sowohl eine schwache als auch eine starke Position vertreten werden kann und daß dieser schwache Dualismus in gewisser Weise mit dem schwachen, nicht-eliminativen Materialismus koinzidiert. Beide wollen, von unterschiedlichen Ausgangsbedingungen, dasselbe: eine Vermittlung leisten zu der dem eigenen Standpunkt prinzipiell widersprechenden Position. Der Dualismus ist also in einer solchen Konstellation immer auch ein Monismus und umgekehrt der Monismus in gewisser Weise ein Dualismus.