Wilfried Armonies / Christian Kupke
Verbiestertes und Vermenschlichtes
Michael Sowas komische Bilder
Seit die Menschen denken können, haben sie sich
immer wieder darüber Gedanken gemacht, wie es
um den Abstand zwischen ihnen und den Tieren bestellt
sein könnte. Daß ein solcher Abstand besteht,
und daß die allzu große Nähe zum Tier
Gefahr bedeuten könnte, - davon allerdings gingen
die meisten Menschen in den abendländischen Gesellschaften
schon früher und gehen sie auch heute immer noch
aus. "Der Mensch ist die Krone der Schöpfung,
er steht über dem Tier!" - so könnte
der Anspruch lauten, der den okzidentalen Schöpfungsmythen
und den Lehren der Aufklärung ebenso zugrundeliegt
wie dem römischen und auch noch dem heutigen europäischen
Recht, nach welchem das Tier einer Sache, einem toten
und unbeseelten Ding gleichgestellt ist.
Oft aber hat es in der literarischen und in der bildenden
Kunst auch Zweifel an dieser prinzipiellen Überordnung
des Menschen über das Tier gegeben. Zweifel, die
immer dann laut wurden, wenn in Krisen- und Umbruchzeiten
mit einem Male der Mensch dem Menschen selber unheimlich,
wenn er sich plötzlich seiner eigenen Fremdheit
bewußt wurde. Dann mehrte sich in ihm, dem homo
sapiens, der Verdacht, daß er vielleicht doch
nicht so aufrecht daherschreitet, wie es diese Mythen,
Lehren und Rechtssysteme von ihm erwarten, und daß
nicht die Tiere den Sachen, sondern vieleicht die Menschen
den Tieren gleichgestellt werden müßten.
Dann wurden nicht selten menschliche und tierische
Attribute miteinander vertauscht und vermengt, wurden,
wie z.B. in den apokalyptischen Visionen eines Hieronymus
Bosch, Menschen in Tierleiber gesteckt, oder, wie in
den moralistischen Genrebildern eines William Hogarth
(dem Begründer der englischen Karikatur), menschliche
Gesichter als Affengesichter gemalt.