Lutz Meiser
Friedensreise
Chinas Drohgebärden gegen Taiwan scheinen Früchte zu tragen. Kurz nach seiner Vereidigung als gewähltes Staatsoberhaupt Taiwans bekundet Präsident Lee Teng-hui die Bereitschaft zu einer Friedensreise nach China. Ob es sich bei dem Gesprächsangebot an die kommunistische Führung in Peking um einen klugen Schachzug handelt oder um einen politischen Akt neuer Qualität, muß die Zukunft zeigen. Angesichts der bestehenden Fronten, die sich bei den letzten chinesischen Militärmanövern erneut weiter verhärteten, erscheint Präsident Lee Teng-huis öffentlich erklärtes Festhalten am Gedanken der Wiedervereinigung aber eher als Appell an die Solidarität demokratischer Staaten, denn als tatsächliche Einleitung einer Ära der Verständigung und Zusammenarbeit mit dem kommunistischen Nachbarn. Dieser wir es so verstehen: Lippenbekenntnisse, die nicht den Bruderkuß vorbereiten, sondern den intensiveren Flirt mit dem starken Beschützer von Jenseits des Pazifik.