Hermann Althaus
Terrorismus-Gipfel
Der Terroranschlag auf den US-Militärstützpunkt
Dhahran in Saudiarabien wirft Fragen auf. Die Gewaltbereitschaft
terroristischer Attentäter ist ungebrochen, ihre
Handlungen fordern Menschenleben. Dagegen gilt es Front
zu machen.
Wenn es aber stimmt, daß eine bisher unbekannte
Terrororganisation hinter dem Anschlag steckt, so ist
das Timing perfekt. Mögen die Ziele dieser Terroristen
noch im Dunkeln liegen, Clintons Forderung nach einer
völligen internationalen Isolierung Irans haben
sie jedenfalls als gerechtfertigt erscheinen lassen.
Zwar richtet sich Clintons 40-Punkte-Papier gegen jede
Form des Terrorismus und der internationalen Kriminalität,
die primäre Stoßrichtung Iran wird aber
auch bei dem G7-Treffen in Lyon deutlich. Nachdenklich
stimmt, daß Fragen der Währungsarbeit und
der Entwicklungshilfe bei diesem Wirtschaftgipfel durch
das neueste terroristische Fanal und die politische
Reaktion darauf stark in den Hintergrund treten. So
gelingt es dem Terrorismus doch, Berge zu versetzen,
und einen Gipfel dazu zu bewegen, sich seinen Gesetzen
zu beugen. Solange terroristische Fanale Treffen internationaler
Politik ihre Beleuchtung aufzwingen können, werden
auch 40-Punkte-Papiere von geringem politischen Wert
sein. Und wirtschaftlich drängende Fragen bleiben
im Dunkeln, obwohl gerade sie der Schlaglichter bedürften
- der politischen.