Text-Nummer: 0058

Schaltung am: 20.06.1996
Rubrik(en): Sport
Umfang des Textes in Zeichen: 1267
Verfasser(in): Carsten Wilp
Geschrieben am: 20.06.1996
Kürzel:
Originaltitel: Fair Play (3)
Illusionäre Utopien
Copyright: Carsten Wilp
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Carsten Wilp

Fair Play (3): Illusionäre Utopie

Man kann nicht auf den "jugendlichen Überschwang" von Spielern schließen, wenn sie "in der Hitze des Gefechts" zu unfairen Mitteln greifen - auch gestandene Männer führen schließlich Krieg. Der aber ist dadurch gekennzeichnet, daß letztlich nur einer die Regeln diktiert: der Stärkere. Das Extrem des Krieges macht deutlich, daß die Stellvertreterkämpfe des Sports eine kulturelle und zivilisatorische Leistung sind - auch wenn das mancher nicht glauben mag. Im Fußball darf also letztlich nicht jedes Mittel recht sein zu siegen. Sonst ist er Krieg. Fußball ist aber nicht die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln; denn internationaler Sport ist längst ein Mittel der Politik.
Im Jahr der Fußball-Europameisterschaft und der Olympischen Spiele besteht die Chance, zumindest für kurze Zeit, Nationalismen zu binden und Aggressionen auszuspielen. Und wieder kommt dem naiven Betrachter der Gedanke: Was spricht eigentlich dagegen, aus dem Spiel Ernst zu machen? Denn wenn aus dem Ernst kriegerischer Auseinandersetzungen Spiel würde, dann kämen neue Regeln ins Spiel, die vielleicht sogar auch ihren gelegentlichen Bruch tragbar erscheinen ließen. Illusionäre Utopien am Ende der Vorrunde eines Fußballturniers.


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