Carsten Wilp
Fair Play (5)
Friedensabkommen
Nach der "Schlacht" also die Versöhnung.
Nicht nur die Spieler zeigen nach dem Halbfinale England
- Deutschland Fairness, auch die englische Presse stimmt
nachdenkliche Töne an. Hier gilt es abzuwarten,
wie lange das Friedensabkommen trägt.
Schön aber, daß die Mannschaften selbst mit
ihren Zuschauern Frieden geschlossen haben, indem sie
zeigten, daß Spieltugenden noch nicht ganz der
Strategie des Erfolges geopfert werden. Tolles Spiel.
Dahingestellt, ob es sich dabei um Auswirkungen der
oft beschworenene "deutschen Tugenden" handelte:
Fair war es immerhin, den Zuschauer nicht weiter den
Eindruck zu vermitteln, diese Europameisterschaft bestehe
aus 120-minütigen Aufwärmphasen mit anschließendem
Kickout. Als die Zuschauer sich schon zu fragen begannen,
ob Bilder des Stretchings eines Spielers am Spielfeldrand
spannender sind, als die Standbilder auf dem Platz,
ging es endlich los. Dennoch bleibt es bezeichnend,
die Fairness betonen zu müssen, die sich in der
schlichten Selbstverständlichkeit zeigt: Vor dem
Anpfiff gilt es, sich aufzuwärmen, nicht vor
dem Abpfiff. So bleibt für das Endspiel die Hoffnung,
daß der Bundestrainer das weiterleitet.