Text-Nummer: 0036

Schaltung am: 01.06.1996
Rubrik(en): Wirtschaft
Umfang des Textes in Zeichen: 1820
Verfasser(in): Hermann Althaus
Geschrieben am: 22.05.1996
Kürzel: Alt
Originaltitel: Lange Leitung
Copyright: Hermann Althaus
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Diskussion/Leserbriefe:

Hermann Althaus

Lange Leitung

Daß die Deutsche Telekom bei einer repräsentativen Umfrage unter 2100 Managern der deutschen Wirtschaft zu Fragen des Images das schlechteste Ergebnis erzielt, sollte ihrem Management eigentlich zu denken geben. Genau dies aber wird nicht geschehen. Warum nicht? Weil es sich um eine Erfolgsmeldung handelt.
Warum konnten Entrüstungsstürme verärgerter Kunden von eben diesem Management mit einem Schulterzucken abgetan und als Fehleinschätzung unkundiger Kunden erklärt werden? (So schlimm und unsozial seien die Gebührenerhöhungen nicht; die Umstrukturierung der Geschäftsabläufe sei einfach zwingend notwendig; vom Gang an die Börse werden alle profitieren.) Weil nichts die Telekom beirren kann.
Daß Managementstrategien und deren Verwirklichung nicht nur Kunden der Telekom zweifelhaft erscheinen, sondern auch Wirtschaftsfachleuten, wird erstere nicht trösten, schon gar nicht versöhnen. In allen gesellschaftlichen Bereichen setzt sich die Erkenntnis durch, daß die Telekom ein Unternehmen ist, das durch seinen schlechten Service verdient, weil es jedenfalls eine Steigerung des Gewinnes bedeutet, ihn eben als einen solchen, als einen schlechten, in Anspruch zu nehmen. Insofern ist der Hinweis auf das schlechte Image für das Management ein Indikator für Erfolg.
Wie kurz- oder weitsichtig solche Strategien sind, wird sich zeigen, wenn das Monopol dereinst wirklich fällt. Beharrlich demonstriert die Telekom, daß sie in Service-Fragen eine lange Leitung hat und daß sie auf das Kurzzeitgedächtnis ihrer Kunden spekuliert. Dies könnte sich aber als Fehleinschätzung herausstellen. Vielleicht hatten auch die 2100 befragten Manager den Gedanken im Hinterkopf, daß das Monopol fallen wird. Tröstlich für die Telekom: Es gibt keinen schlechteren Platz als den letzten.


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