Christian Kupke
"...als würde zwischen zwei Subjekten so etwas wie a(mur) existieren." Vortrag zur Frage der psychischen Impotenz im analytischen Diskurs.
Meine Damen und Herren! Von einigen unter Ihnen, sowohl
Mitgliedern als auch Nicht-Mitgliedern der >Psychoanalytischen
Assoziation - Die Zeit zum Begreifen<, bin ich gebeten
worden, doch eine These noch etwas genauer zu explizieren,
die ich vor nicht allzu langer Zeit in einem Vortrag
zum Verhältnis von Psychoanalyse und Philosophie
mit dem Titel "Geschlecht/Geschichte" vertreten
habe. Diese These lautet kurzgefaßt folgendermaßen:
daß die Aufhebung des von mir so genannten Mangels
des geschlechtlichen Seins, der psychischen bzw. psychosexuellen
Impotenz, wie Freud es beschreibt - nämlich als
"allgemeines kulturleiden" und nicht als
die Krankheit einzelner (denn als diese ist sie für
mich nur von untergeordnetem Interesse) - im Grunde
nur als Simulation möglich ist und daß man
daher den durch diese Aufhebung zu erzielenden Genuß
auch nur als einen im simulativen Schein voller sexueller
Befriedigung sich realisierenden Genuß auffassen
kann.
Ich möchte der bitte nach näherer Erläuterung
dieser These gerne nachkommen, muß aber doch
auf eine Schwierigkeit hinweisen, die sich möglicherweise
dem vollen Verständnis von Inhalt und Funktion
meiner diesbezüglichen Erörterungen entgegenstellen
könnte. Nicht alle, die heute hier sind, haben
mienen damaligen Vortrag hören und an der ihm
folgenden Diskussion teilnehmen können. sie sind
daher insofern benachteiligt, als sie weder den philosophisch-psychoanalytischen
Kontext der von mir angeführten These kennen noch
auch dadurch den Stellenwert der diese These erläuternden
Ausführungen richtig einschätzen können.
Abhilfe schaffen läßt sich hier meines Erachtens
nur auf zweierlei Weise.
Zum einen besitzt die >Assoziation< - zum Glück,
und zum Glück aller ihrer Mitglieder und nicht-Mitglieder,
wie man sagen muß; denn das fördert die
Kontinuität und Dauer in der Zeit zum Begreifen,
d.h. in der Auseinandersetzung zwischen jenem inneren
und jenem äußeren Zirkel und sowohl zwischen
dem in diesen Zirkeln eingeschlossenen Außen
und dem aus diesen Zirklen ausgeschlossenen Innen als
auch zwischen all den anderen Zwischen-Räumen,
wie sie erst vor kurzem in aller Deutlichkeit von robert
Krokowski herausgearbeitet wurden1 - zum Glück
also, sage ich, besitzt die >Assoziation< ein
Veröffentlichungsorgan am Apparat ihres Genießens:
den >Brief der psychoanalytischen Assoziation<,
in welchem ich den oben genannten Vortrag habe dokumentieren
können. auf ihn möchte ich daher an dieser
Stelle verweisen und mit diesem Hinweis zugleich die
Hoffnung verbinden, daß, wenn es vielleicht auch
nicht möglich gewesen sein sollte, solcherart
meinen vorangegangenen Vortrag "vorab" zu
konsultieren, sowohl er selbst als auch dieser sich
womöglich "nachträglichen" Effekten
werden öffnen können -- ganz zum vorteil
übrigens für ein volles Verständnis
auch dessen, worauf hinzuweisen ich schon damals nicht
untrelassen konnte: auf das eigentümliche Verkehrs-,
sprich Bedingungs- und Abhängigkeitsverhältnis
von Psychoanalyse und Philosophie und auf die damit
zweifellos im Zusammenhang stehende wahrhaftige Rede
Lacans - vom Halbsagen der Wahrheit.
Zum anderen aber - und das ist für das hic et nunc
des heutigen Vortrages sicherlich das Entscheidendere
- ist es immer möglich, das bereits Gesagte noch
einmal vor Ort zu rekapitulieren, es anders zu sagen.
Und indem ich zugleich auch diese Möglichkeit
nutzen möchte, werde ich Ihnen hier zunächst,
im ersten Teil, kurz die Klammer zu bezeichnen haben,
die die zentrale Leitlinie des vorangegangenen Vortrags
mit den sie weiterführenden und vertiefenden Erörterungen
des heutigen Vortrags in engen Zusammenhang zu bringen
vermag. Sodann, im zweiten Teil, werde ich die in diese
Klammer bis dato noch nicht integrierte, ihr aber zweifellos
zugehörige Simulationsthese in der Weise darzustellen
versuchen, daß ihre Herkunft aus Theoremen sowohl
Lacanscher als auch Freudscher Provenienz mit Leichtigkeit
zu erkennen sein dürfte; daraufhin in einem -
als Exkurs gedachten - dritten Teil eine für den
vorliegenden Diskussionspunkt spezifische Anwendung
der Lacanschen Theorie des Imaginären vorstellen
und schließlich in dem die gesamte Analyse (beider
Vorträge) vorläufig abrundenden vierten und
letzten Teil diejenigen psychoanalytischen Konsequenzen
aufweisen, die Ferenczi zwar aus seinem im ersten Vortrag
dargestellten und problematisierten Mythos hätte
ziehen können, die aber nur anhand der immer wieder
heranzuziehenden Freudschen Texte (>Über die
allgemeinste Erniedrigung des Liebeslebens< und
>Das Tabu der Virginität<) in ausreichender
Klarheit offengelegt werden können.
1. In meinem damaligen Vortrag >Geschlecht/Geschichte< habe ich, in aller Kürze gesagt, folgendes unternommen. Ich glaubte, die von Freud so bezeichnete "Liebesspaltung", den Unterschied zweier gegenläufiger Liebesströmungen, einer zärtlichen und einer sinnlichen, einschreiben zu dürfen in dasjenige Feld einer Differenz, das ich Ihnen im gleichen Vortrag, bei der dfiskussion der soziokulturellen Spekulation Hegels aus der >Phänomenologie des Geistes<, mit den Begriffen einerseis eines Anerkennungs- und anmdererseits eines Befriedigungsverhältnisses bezeichnet hatte. Und diese Eisnchreribung wiederum gründete sich auf den Zusammenhang zweier Überlegungen - Sie können sie auch Thesen oder Hypothesen nennen -, die nun auch die Leitlinien der im folgenden anzustellenden Erörterungen ausmachen sollen. Einmal die Überlegung, daß Freud - anders als Hegel, der den geschichtlichen Konflikt darin sah, daß sich die Befriedigung der anthropogenen Begierde über ein ungleiches Anerkennungsverhältnis vermittelt (die sich nur aus diesem Grund zur Differenz von reinem und konkretem Genuß entfaltet), und der deshalb darauf bestand und bestehen mußte, daß die historischen Kämpfe nicht um willen einer imaginären, vollen Befriedigung, sondern um willen einer gleichseitigen und gleichberechtigten Anerkennung ausgetragen werden - daß Freud demgegenüber daran festhielt, daß gerade das konfliktuelle Gegeneinander von Befriedigung und Anerkennung, diese "Spaltung" es sei, die den eigentlichen Mangel des geschlechtlichen Verhältnisses ausmache, und daß letzten Endes dieser Konflikt um willen einer vollen Befriedigung ausgetragen werde. Und zum zweiten die Überlegung, daß - ganz in der Logik der Texte Freuds und Ferenczis - die mögliche, approximative Aufhebung der Spannung zwischen sinnlicher und zärtlicher Strömung für das männliche Geschlecht eher auf Seiten des Befriedigungsverhältnisses, für das weibliche Geschlecht aber eher auf Seiten des Anerkennungsverhältnisses situiert werden müßte - mit den beiden zusätzlichen Hypothesen: daß, wenn der Kampf zwischen den Geschlechtern um willen einer vollen Befriedigung ausgetragen wird, der Mann dieses Ziel allein dadurch erreichen kann - aber natürlich nur annäherungsweise, denn es ist ein imaginäres Ziel -, daß er die Anerkennung des Anderen aus seiner Befriedigung ausschließt, indem er sie seinem sexuellen Begehren unterordnet, die Frau aber nur dadurch, daß sie die Befriedigung in die Anerkennung einschließt, indem sie diese ihrem sexuellen Begehren überordnet. - Was das im einzelnen heißen kann, und wie diese Überlegungen im Freudschen Text selber ihre Bestätigung finden können, werde ich Ihnen nun zu zeigen haben.
2. Als den "allgemeinsten Inhalt" der psychischen
Impotenz bestimmt Freud, wie Sie wissen, "die
nicht überwundene inzestuöse Fixierung"
einerseits - für das männliche Geschlecht
- "an Mutter und Schwester"2 und andererseits
- für das weibliche Geschlecht - "zumeist
... an den Vater oder den ihn ersetzenden Bruder"3;
das heißt, um genauer zu sein, er sieht sie darin,
daß das sexuelle Begehren des späteren Erwachsenen
im Unbewußten an die anfänglichen Objekte
der primären kindlichen Objektwahl gebunden bleibt
und sich als Sinnlichkeit im bewußten Sexualleben
nicht mehr geltend zu machen vermag: "Die aktiv
gebliebene sinnliche Strömung sucht nur nach Objekten,
die nicht an die ihr verpönten inzestuösen
Personen mahnen; wenn von einer Person ein Eindruck
ausgeht, der zu hoher psychischer Wertschätzung
führen könnte, so läuft er nicht in
Erregung der Sinnlichkeit, sondern in erotisch unwirksame
Zärtlichkeit aus"4, also - um mich so auszudrücken
- in ein gewissermaßen asexuelles Begehren. Und
zwar deshalb, weil einmal, aufgrund jener Fixierung,
diese hohe psychische Wertschätzung mit dem anfänglichen
Objekt verkoppelt bleibt, und zum anderen, weil damit
dieses - die Vater- oder die Mutterimago (als Objekt
klein-a) - zum Vorbild aller im späteren Leben
möglichen Zärtlichkeit geworden ist.
Bereits an dieser Stelle sehe ich mich aber einem Einwand
ausgesetzt, den wahrscheinlich auch Sie mir entgegenhalten
werden, - einem Einwand, der wohl weniger die Beschreibung
des von mir hier thematisierten Sachverhalts als vielmehr
dessen begriffliche Kennzeichnung als eines "asexuellen
Begehrens" betreffen dürfte. Denn ist es
nicht Freud gewesen (und wer sollte es sonst gewesen
sein ?), der immer wieder auf den geradezu erotischen,
sinnlichen und sexuellen Charakter der ersten, infantilen
Liebesstrebungen hingewiesen hat und der, beispielsweise
in den >Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie<,
auch jene soeben benannte "hohe psychische Wertschätzung"
ausdrücklich als eine "Sexualüberschätzung"
kenntlich gemacht hat5 ? Ich gebe Ihnen darin recht,
möchte sie aber zugleich auf folgendes aufmerksam
machen: daß eben dies bloß die eine Seite
der doch im ganzen - bereits in der ersten Triebkonzeption
Freuds angelegten - janusartigen Doppelgesichtigkeit
des infantilen Liebes- oder, wenn Sie so wollen, Sexuallebens
ausmacht, dieses also selber bereits durch eine gewisse
Form der Verschmelzung von sinnlichen und zärtlichen
Komponenten ausgezeichnet ist und daß deshalb
die sinnliche Komponente innerhalb dieses Verhältnisses
keineswegs verselbständigt werden darf. Denn die
Anforderungen des Selbsterhaltungstriebes in der Bedürfnisbefriedigung
- der animalischen Begierde, wie wir jetzt sagen können
- sind zwar von Anfang an mit "Beiträgen
von den Sexualtrieben" und "Komponenten von
erotischem Interesse"6 - der animalischen Liebe
- liiert. Aber zum einen ist die in den Selbsterhaltungstrieben
sich geltend machende Sinnlichkeit aufgrund der in
der Prämaturation begründeten Hilflosigkeit
des Kindes ebenso anfänglich gekoppelt an das
Begehren überhaupt nach einem Anderen, einem Anderen,
der dieser Hilflosigkeit immer schon zuvorkommen soll
- und als solche mag sie nun psychoanalytisch als anthropogene
Begierde bezeichnet werden. Und zum anderen wird die
in den Sexualtrieben sich geltend machende Sinnlichkeit
aufgrund der durch das Inzesttabu aufgerichteten Schranke
zugleich zurückgedrängt zu einer Form von
Zärtlichkeit, die sich überhaupt als ein
Begehren nach Anerkennung an und mit jenem Anderen
manifestiert.
Sie sehen, das Begehren nach Anerkennung des Anderen,
und zwar in seiner anhand des Hegelschen Textes schon
aufgewiesenen dreifachen Bedeutung, ist hier die Klammer
zwischen den Selbsterhaltungs- oder Ichtrieben einerseits
und den Sexualtrieben andererseits. Und wiederum dieses
Begehren ist es, das Freud in dem hier diskutierten
Text als (ein Begehren nach) Zärtlichkeit bestimmt
und das ich Ihnen als ein asexuelles Begehren bezeichnet
habe. Daß es nicht - was ich gegenüber dem
obigen Einwand ausdrücklich betonen möchte
- ein unsexuelles Begehren ist, ein Begehren also,
das alles bloß ein(s)machen würde (und das
nur ein bestimmter philosophischer Diskurs konzeptualisierte),
erkennen Sie daran, daß die Sexualtriebe, gleichursprünglich
mit den Selbsterhaltungstrieben, als konstituierendes
Moment in es eingehen; und daß es dennoch zugleich
ein asexuelles Begehren darstellt, daran, daß
es, sei es auch noch so sexuell motiviert, fixiert
bleibt an das als anfängliches Objekt zu bestimmende
Objekt-klein-a, mithin an das, was Lacan in dem Ihnen
bekannten Schema R als i, als image speculaire oder,
darin an Freud anknüpfend, als Imago angeschrieben
hat7. Was er dagegen selber als a (und als a') bezeichnet,
ist nur das doppelte Medium bzw. der doppelte Rahmen,
der ZeitRaum (und die RaumZeit), wie ich einmal ausgeführt
habe8, in dem das an dieses Begehren zurückgebundene
Begehren sich bewegt und in dem es über a1, a2,
a3 ... an (bzw. a'1, a'2, a'3 ... a'n) eine Transgression
seiner selbst zu erreichen sucht im HinBlick auf oder
in HinNeigung9 zum ursprüngliche Objekt M (und
zum Ichideal I)10. Mit Rückbindung ist dabei gemeint:
vom asexuellen Begehren, insofern Sexual- und Selbsterhaltungstrieb,
anthropogene Begierde und Begehren nach Anerkennung,
Sinnlichkeit und und Zärtlichkeit in ihm bereits
auf besondere, quasi vor-bildliche Weise verknüpft
sind und das daher als solches buchstäblich den
Rahmen abgibt für jede weitere Liebesstrebung,
von diesem asexuellen Begehren vermag sich das sexuelle
Begehren aufgrund seiner Motivierung durch den mit
der zärtlichen Strömung verschmolzenen Sexualtrieb
niemals ganz zu lösen.
Diese Unlösbarkeit ist es nun aber, die überhaupt
den Mangel als Mangel fundiert. Denn ohne sie wäre
weder ein Mangel in der Befriedigung, die "Unfähigkeit
des Sexualtriebes, volle Befriedigung zu ergeben"11,
anzunehmen - er wäre dann nicht zurückgedrängt
und auch nicht eingeschränkt - noch auch die hier
in Frage stehende Spaltung als ein Mangel des Verhältnisses,
als Konflikt erfahrbar. Das aber heißt: soll
das Ergebnis nicht die vollständige Impotenz oder
die manifeste Perversion sein, also der Konflikt nicht
zur Dis-Simulation oder zur tendentiellen Auf-Lösung
der im Begehren zusammengefaßten und vereinheitlichten
Strebungen führen12 - wobei im Falle der vollständigen
Impotenz "die sinnliche Strömung ... in ihrem
ganzen Betrag dem Schicksal [verfällt], sich hinter
der zärtlichen verbergen zu müssen"13,
während in der manifesten Perversion gerade umgekehrt
die sinnliche Strömung sich vor die zärtliche
schiebt14 -, so kann die Lösung dieses Konfliktes
nur in einer Simulation jener vollen Befriedigung oder
- insofern eben diese sogenannte "volle Befriedigung"
nur imaginär ist, im Imaginären dieses Imaginären
bestehen15. Und auch hier, wie in allem Imaginären,
wären dann zwei, wie spiegelbildlich sich zueinander
verhaltende Alternativen möglich: Entweder vermag
die sinnliche Strebung, statt sich bloß, wie
in der Perversion, vor die zärtliche zu schieben,
diese noch auf andere Weise auszuschließen, nämlich
so, daß sie sich ihr, als ihrem gleichwohl eigenen
Inneren, überordnet, sie also unter sich dennoch
anerkennt, oder aber sie vermag, statt sich bloß,
wie in der Impotenz, hinter der zärtlichen zu
verbergen, sich in diese derart einzuschließen,
daß sie sich ihr, als ihrem gleichwohl eigenen
Äußeren, unterordnet, sie also über
sich anerkennt. - Daß diese - ich muß zugeben:
sicherlich nicht ohne weiteres einsichtige - Konstruktion
dennoch Sinn macht und daß sie darüber hinaus,
wie ich meine, auch durch den Freudschen Text vollkommene
Bestätigung findet, das möchte ich Ihnen
nun noch im folgenden zeigen.
3. Zunächst einmal möchte ich Sie darauf hinweisen,
daß Freud, obwohl er als sogenanntes "Hauptschutzmittel"
gegen die Störung der Impotenz sowohl bein männlichen
wie beim weiblichen Geschlecht den Eintritt in ein
anderes, noch näher zu kennzeichnendes (Sexual-)Verhältnis
anführt, offensichtlich nicht darauf abzielt bzw.
kein großes Gewicht darauf zu legen scheint,
daß dieses andere Verhältnis auch notwendigerweise
ein zweites Verhältnis oder dies doch zumindest
nicht in der Weise darstellt, daß das erste neben
diesem zweiten in einem zeitlich verstandenen Sinne
weiterhin aufrechterhalten wird. Denn wenn auch beide
Geschlechter ihre Potenz fürs erste dadurch weidererlangen
können, daß sie sich einem Mann oder einer
Frau "zweiter Ordnung" hingeben, so ist es
doch Freud zufolge nicht selten, daß der seiner
Ehefrau oder "seinem gesitteten Weibe" gegenüber
impotente und im Verhältnis zu einer Geliebten
wieder potent gewordene Mann dieses Sexualobjekt, "mit
welchem psychologisch die Möglichkeit der vollen
Befriedigung verknüpft ist", zur Ehefrau
wählt, oder daß diejenige Frau, die "in
einer ersten Ehe frigid bleibt und sich unglücklich
fühlt ... nach Lösung dieser Ehe ihrem zweiten
Manne eine zärtliche und beglückende Frau
wird".
Sie werden fragen: Womit hängt das zusammen? -
Ich meine, offenbar damit, daß die Bedingung
des anderen Verhältnisses oder des Dritten auch
im ersten Verhältnis virtualiter bereits gegeben,
aber erst im zweiten Verhältnis aktualiter erfüllt
ist, d.h. mit der Ihnen soeben bezeichneten Tatsache,
daß das Objekt-klein-a, dem sowohl die erotisch
wirksame Sinnlichkeit als auch die erotisch unwirksame
Zärtlichkeit gilt und das daher indifferentiell
und indefinit als "der, die oder das Andere"
bezeichnet werden kann, zwar insofern, als es bloß
imaginär ist, irreduzibel absent, nicht-präsent,
aber doch in jedem anderen und von daher in einem
immer schon zweiten Anderen als "der, die oder
das Dritte" realiter präsent bzw. als jenes
nicht-Präsente in diesem realiter Präsenten
repräsentiert ist. Der Rahmen, den dieses Nicht-Präsente
abgibt, muß also prinzipiell beide Möglichkeiten
offenlassen: sowohl die Möglichkeit einer vollen
Befriedigung als auch die des gänzlichen Ausfalls
einer solchen; und der Übergang vom Virtuellen
zum Aktuellen wäre dann hier - im Falle des Übergangs
von der Störung der Impotenz im ersten Verhältnis
zur Aufhebung dieser Störung im zweiten - der
einer Realisation der vollen Befriedigung in einem
je schon anderen Verhältnis, - einer Realisation
also, die - wie ich Ihnen bereits ausgeführt habe
- zugleich als Simulation zu begreifen wäre. Denn
wie auch immer das erste Verhältnis, das selber
bereits eine realisation von möglichkeit darstellt,
realiter strukturiert ist, der Objektwechsel im Übergang
von diesem zum zweiten ist immer ein Wechsel im Rahmen
desselben imaginären Objekts. Und insofern eben
dieses Objekt imaginär ist, führt es in das
Simul der Simulation, das die Ähnlichkeit der
gewonnenen Befriedigung mit dem volen sexuellen Genuß
manifestiert, zugleich eine Täuschung ein, die
auch noch die Ähnlichkeit und damit die virtuelle
Austauschbarkeit, die Substitutionalität und Supplementarität
der gewechselten Objekte untereinander garantiert.
Anders gesagt, tritt der impotente Mann oder die frigide
Frau aus einem scheinbar un-sexuellen in ein zweites,
scheinbar rein-sexuelles Verhältnis ein, so ist
dieses keinesfalls das pure Gegenteil des anderen,
sondern hebt dieses in einem noch zu bestimmenden Sinne
in sich auf. Ja, in gewisser Weise ist es dadurch selbst
gar nichts anderes als dieses andere Verhältnis
und unterscheidet sich von diesem nur dadurch, daß
die beiden Komponenten des asexuellen Begehrens in
ihm in einem selber noch bestimmten Verhältnis
zueinander realisiert werden. - Dann aber, so muß
man offensichtlich folgern, ist es auch nicht mehr
ausgeschlossen, daß überhaupt an ein- und
demselben realen (zweiten) Objekt beide komponenten
sich in gleicher Weise realisieren, also die unterschiedlichen
Verhältnisse, in welchem beide komponenten in
dem einen, scheinbar un-sexuellen und in dem anderen,
scheinbar rein-sexuellen Verhältnis zueinander
stehen, in einem einzigen Verhältnis miteinander
zusammengehen und so eine doppelte, eine regressive
und eine progressive (bzw. antizipative) Simulation
instituieren: die einer Erfüllung sowohl des sexuellen
als auch des unsexuellen und also damit überhaupt
und insgesamt des asexuellen Begehrens.
4. Was ich Ihnen soeben als die Lösung des angezeigten
Konfliktes, als Simulation einer vollen Befriedigung
(oder als das Imaginäre des Imaginären) bezeichnet
habe, wird in den Freudschen Texten zunächst,
was das männliche Sexualverhalten anbelangt, auf
zweierlei Weise thematisch: einmal, im ersten der >Beiträge
zur Psychologie des Liebeslebens<, als ein "besonderer
Typus der Objektwahl" und sodann, im zweiten dieser
>Beiträge<, als "allgemeinste Erniedrigung
des Liebeslebens". Freud geht dabei folgendermaßen
vor: Den Typus, den er im ersten Aufsatz beschreiben
will, differenziert er nach zwei Gesichtspunkten, dem
der allgemeinen Liebesbedingungen, die für diesen
Typus bezeichnend sind - die Bedingung des geschädigten
Dritten und die Bedingung der Dirnenliebe - und dem
des Verhaltens des Liebenden gegen das Objekt seiner
Wahl - die auffällige Überschätzung
des Liebesobjekts und die Tendenz, die Geliebte zu
retten16. Insgesamt also sind es vier charakteristische
Merkmale, die er hervorhebt. Während aber das
erste und zweite Merkmal nur in einer, noch herauszuarbeitenden
indirekten Beziehung zur "allgemeinsten Erniedrigung
des Liebeslebens" stehen und das vierte (das auch
in dem von mir hier herangezogenen Aufsatz Ferenczis
eine nicht unwesentliche Rolle spielt17) im zweiten
>Beitrag< überhaupt nicht weiter diskutiert
wird, ist das dritte der eigentliche Angelpunkt der
gesamten Argumentation. Jedoch, auf eine anscheinend
widersprüchliche Weise: denn wird im zweiten Text
als das "Hauptschutzmittel" gegen die Störung
der Impotenz die psychische Erniedrigung des Sexualobjektes
mit der Folge seiner Geringschätzung angeführt18,
wird dagegen im ersten Text betont, daß es -
offenbar als erniedrigtes Objekt - gerade eine Erhöhung
und Überschätzung erfährt19. Daraus
ließe sich vielleicht schließen, daß
Freud sich in den beiden Aufsätzen jeweils ganz
unterschiedlichen Themen gewidmet habe: im ersten der
Darstellung eines spezifischen, "extrem und scharf
umschriebenen Typus der Objektwahl"20 und im zweiten,
wie es im Titel heißt, nur der "allgemeinsten"
Form der Erniedrigung. In gewissem Maße trifft
dies sicherlich zu. Aber wenn er zugleich vom - sicherlich
allgemeinen und kulturbedingten - "Typus der psychischen
Impotenz" spricht und betont, daß der Mann
"seine volle Potenz erst (entwickelt), wenn er
ein erniedrigtes Sexualobjekt vor sich hat..., das
ethisch minderwertig ist, dem er ästhetische Bedenken
nicht zuzutrauen braucht, das ihn nicht in seinen anderen
Lebensbeziehungen kennt und beurteilen kann"21,
so bleibt doch immer noch zu erklären: zum einen,
wie denn eine solch hohe psychische Wertschätzung
überhaupt die Folge einer Erniedrigung des Sexualobjektes
sein kann, und zum anderen, wie dieser Sachverhalt
in Einklang zu bringen ist mit der Behauptung Freuds,
daß diese Wertschätzung zugleich einem anderen
Objekt reserviert sei, nicht nur "dem inzestuösen
Objekt", sondern auch "dessen Vertretungen"22,
und zwar in den besagten anderen, den - wie ich sie
nennen will - privaten Lebensbeziehungen.
Sie werden sicherlich fragen, warum ich darauf Wert
lege, diese anderen Liebesbeziehungen gerade als private
Liebesbeziehungen zu bezeichnen. Deshalb, weil ich
meine, daß auch Freud bei diesen Beziehungen
an die spezifisch bürgerliche Privatsphäre
denkt, und zum anderen, und das ist mir bei weitem
das Wichtigere: weil durch den Vorrang des asexuellen
Begehrens in dieser Sphäre das sexuelle Begehren
eine Privation erfährt, die nur durch ein quasi
öffentliches - Freud spricht "mit etwas Vergröberung",
wie sie bereits wissen, von der ">Dirnenliebe<"23
-, aber in jedem Fall durch ein nicht-familiäres
Verhältnis wieder aufgehoben werden kann. Mit
anderen Worten: tritt der Mann aus dieser seiner Privat(ions)sphäre
heraus, dann schließt er die in ihr durch das
symbolische Band (über den Vertrag und das Gesetz24)
gewährte und gewährleistete Anerkennung des
Anderen zugunsten der im Imaginären sich situierenden
Erniedrigung eines anderen Anderen aus und tritt damit
ins Verhältnis zu einem zweiten Anderen - einer
Dritten im triadischen Gesamtverhältnis -, in
dem sich die "ursprüngliche Vollströmung"25
der im asexuellen Begehren noch privatierten sinnlichen
Strebung nunmehr frei entfalten kann. In diesem Zusammenhang
spricht Freud einerseits, was die durch das Imaginäre
strukturierte Verliebtheit anbelangt, von ungehemmten
und andererseits, was die über das Symbolische
vermittelte Liebe anbelangt, von zielgehemmten Trieben26
und verweist damit offenbar darauf, daß - wie
auch in der Thematisierung Hegels - in dem einen Fall,
dem der ungehemmten Begierde oder des rein sexuellen
Begehrens, wie wir jetzt sagen können, lediglich
ein abstraktes Genießen, aber im anderen Fall,
dem der gehemmten Begierde oder des asexuellen Begehrens,
gerade ein konkretes Genießen möglich ist.
Denn wenn in demjenigen Liebes-Verhältnis, in
dem sich die beiden Geschlechter dem symbolischen Gesetz
unterwerfen, diese das Begehren nach Anerkennung und
den Genuß des Anderen dadurch zugleich befriedigen
und erhalten27, daß sie dem Sexualobjekt eine
dauernde Besetzung zuwenden und es damit, wie Freud
sich ausdrückt, "auch in den begierdefreien
Zwischenzeiten .. >lieben<"28, ist dieses
ihr Tun, diese Form der "Arbeit", ein sie
beide subjektivierendes Tun; wohingegen das in ein
rein sexuelles Begehren verstrickte Subjekt sich im
Anderen - und diesen Anderen selbst - lediglich objektiviert,
indem es, in einem unstillbaren Reizhunger und in der
Bildung einer potentiell unendlich langen Reihe, Objekte
dieses "Hungers" sich aneignet "zum
Zwecke der direkten Sexualbefriedigung", in welcher
auch die Verliebtheit "mit Erreichung dieses Zieles
erlischt"29.
Wenn aber Freud auf der anderen Seite für den Fall
eines solchen Verhältnisses dennoch von einem
vollen sexuellen Genuß glaubt sprechen zu dürfen30,
so wird man sich hier offensichtlich nicht mit der
Auskunft zufriedengeben können, es handle sich
eben bei diesem bloß um einen sexuellen und eben
in solchem Sinne um einen vollen, aber abstrakten Genuß.
Denn wenn es richtig ist, was ich Ihnen soeben ausgeführt
habe, daß eine volle (sexuelle) Befriedigung
schon allein aufgrund der Unlösbarkeit des sexuellen
Begehrens vom asexuellen Begehren niemals erreichbar
ist, wie kann dann ein solches Genießen sich
realisieren, wenn nicht als Simulation eines abstrakten,
und zwar eines phallischen Genießens31 ? Als
Simulation eines solchen also, in welchem sich, wie
es heißt, die "ursprüngliche Vollströmung",
mithin die bereits im Mythos Ferenczis herausgearbeitete
ursprüngliche Aktivität wieder zur Geltung
zu bringen vermag ? In der Tat, als simulierte vermag
sie sich nicht wirklich zur Geltung zu bringen, denn
das setzte wiederum eine völlig abstrakte, von
jeglicher Anerkennung gänzlich befreite Erniedrigung
und Geringschätzung des Anderen voraus; und daß
eine solche unmöglich ist, läßt sich
nun leicht zeigen. Die Erniedrigung und Geringschätzung
schließt nämlich zunächst, wie ich
bereits gesagt habe, die Anerkennung des Anderen zwar
aus dem dem priva(iv)en Verhältnis gegenüber
öffentlichen Verhältnis aus; der (impotente)
Mann ist, wie es bei Freud heißt, "nur potent
gegen .. Frauen, die er nicht >liebt<, geringschätzt
oder selbst verachtet"32, die er mithin nicht-anerkennt.
Aber indem er dadurch dem Text zufolge "ohne Rücksicht",
also ohne ästhetische, ethische oder anderweitige
Bedenken "sich der Befriedigung hingeben darf,
was er zum Beispiel bei seinem gesitteten Weibe nicht
wagt"33, wird von ihm das in diesem Verhältnis
besetzte Sexualobjekt gerade als solchermaßen
nicht-anerkanntes anerkannt und umgekehrt das im privat(iv)en
Verhältnis besetzte Objekt als das von ihm anerkannte
gerade nicht anerkannt.
Soll nun aber dies nicht bloß ein Spiel mit Worten
sein, soll damit nicht bloß auf die bereits bei
der Thematisierung Hegels reflexiv-triviale, dort aber
durchaus noch produktive Einsicht verwiesen werden,
daß die Begriffe der Anerkennung und der Nicht-Anerkennung,
des Überschätzens und des Geringschätzens
auch noch aufeinander angewandt werden können;
oder anders gesagt: soll hier die Simulation einer
vollen Befriedigung nicht bloß eine Simulation
der Begriffe und des Bewußtseins, also eine selber
mangelhafte Simulation in dem Sinne sein, daß,
wie es bei Freud heißt, "eines der Ideale
des Sexuallebens, die Vereinigung aller Begehrungen
in einem Objekt"34, hier gar nicht wirklich realisiert,
sondern wiederum nur reflexiv - als die Anerkennung
der Nicht-Anerkennung und die Nicht-Anerkennung der
Anerkennung, also doch im Sinne einer Dis-Simulation
als Perversion und als Impotenz - auf zwei unterschiedliche
Objekte, auf die Dirne und die Ehefrau, verteilt wäre;
soll also alles dies nicht das letzte, philosophische
Machtwort über die Psychoanalyse sein - und ein
solches Wort, Sie wissen es, wäre bloß ein
Un-Macht-Wort -, so müssen wir doch offensichtlich
die Simulation noch viel weiter und als solche denken,
in welcher "der, die oder das Andere", von
welchem wir hier, in der Anerkennung oder Nicht-Anerkennung
des Anderen, sprechen, als ein- und dasselbe, nämlich
als das Un des Unbewußten - und ich scheue mich
hier zu sagen: "begriffen" wird35. Denn im
Unbewußten, so belehrt uns Freud in seinem ersten
>Beitrag<, "(fällt) häufig in
Eines zusammen .., was im Bewußtsein in zwei
Gegensätze gespalten vorliegt"36; und Freud
tut dies in einem Zusammenhang, in dem er zugleich
von dem "im Unbewußten wirksame(n) Unersetzliche(n)"
spricht, das "sich häufig durch die Auflösung
in eine unendliche Reihe kundgibt, unendlich darum,
weil jedes Surrogat doch die erstrebte Befriedigung
vermissen läßt"37. - Diese Insuffizienz
des Geschlechtsverhältnisses (Lacan spricht von
ihm sogar als einem "inexistentem"38), die
so eigentümlich kontrastiert mit der Behauptung
eines vollen sexuellen Genusses, - ist es nicht diese
Insuffizienz, die hier, vermöge des einen und
einzigen, unersetzlichen Objektes, als Suffizienz simuliert
wird so, "als würde zwischen zwei Subjekten
so etwas wie (a)mur existieren"39 ? Und in der
Tat: damit das Simul der Simulation, die Ähnlichkeit
der gewonnenen Befriedigung mit dem vollen sexuellen
Genuß entstehen kann, muß in die - sonst
bloß mangelhafte - Simulation noch eine Täuschung
eingehen, in ihr ein imaginärer Aus-Tausch von
Objekten stattfinden, durch den Sinnlichkeit und Zärtlichkeit
in einem einzigen Objekt derart vereinigt werden können,
daß sowohl das eine (die Dirne) als auch das
andere (die Ehefrau) - unter der Herrschaft des Realitätsprinzips:
der Anerkennung hier und der Nicht-Anerkennung dort
- als das selbe, nämlich als das eine und unersetzliche
Objekt imaginiert werden.
Dieses eine und unersetzliche Objekt ist nun Freud zufolge
für das männliche Geschlecht - und darauf
zielt insgesamt der erste der >Beiträge zur
Psychologie des Liebeslebens< ab - die Mutter, oder
genauer gesagt die Mutterimago, - das also, was ich
Ihnen vorhin als Objekt-klein-a benannt habe und welches
das sexuelle Begehren immer auch - und zugleich - als
a-sexuelles Begehren strukturiert. Von ihm her gedacht
sind aber dann Anerkennung und Nicht-Anerkennung, Überschätzen
und Geringschätzen nicht mehr nur im Sinne einer
reflexiven Wiederholung aufeinander anwendbar, sondern
im Sinne einer Wiederkehr: einer Wiederkehr der Anerkennung
im Sinne des in der zärtlichen Fixierung die Mutter
zur asexuellen Frau "erhebenden" Begehrens40
- unter den Bedingungen der Nicht-Anerkennung, nämlich
der Dirne, und einer Wiederkehr der Nicht-Anerkennung
im Sinne der im Ödipus-Komplex die Mutter zur
sexuellen Frau "erniedrigenden" Begierde41
- unter den Bedingungen der Anerkennung, nämlich
der Ehefrau. Jene Wiederkehr der Anerkennung auf Seiten
der Dirne ist also deren imaginäre Verwandlung
zur zärtlichen Frau - die eben deshalb, wie Freud
oft genug betont, auch zur Ehefrau werden kann42, und
umgekehrt die Wiederkehr der Nicht-Anerkennung auf
Seiten der Ehefrau deren imaginäre Verwandlung
zur sinnlichen Frau, die nunmehr dadurch erniedrigt
wird und als Sexualobjekt wieder in dem Blick zu kommen
vermag. Nur durch diese Bindung der Begriffe ans Ubw,
oder genauer gesagt: nur durch die Bindung des durch
sie Gemeinten ans Unbewußte läuft die aufgezeigte
Dialektik nicht leer, läßt sich für
das Geschlechtsverhältnis des männlichen
Geschlechtes zwar dialektisch, aber nicht rein-reflexiv
sagen: in ihm ist, was das Verhältnis zur Dritten
anbelangt, die zärtliche Komponente des Sexualtriebes
derart ausgeschlossen, daß die sinnliche Komponente
ihr, als ihrem gleichwohl eigenen Inneren, lediglich
übergeordnet und deshalb als der zärtlichen
Komponente untergeordnete dennoch - als im Bilde der
Mutter - anerkannt ist.
Anmerkungen
Vgl. Robert Krokowski, Das Begehren des Analytikers
in der Zeit zum Begreifen, in: Brief der psychoanalytischen
Assoziation "Die Zeit zum Begreifen", Nr.8
v. 15. November 1991, S.3-33, hier S.17ff.
2Ebd., S.199
3Freud, Das Tabu der Virginität, a.a.O., S.223
4Freud, Über die allgemeinste Erniedrigung...,
a.a.O., S.202 (Hervorh., C.K.)
5Vgl. Freud, Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie, a.a.O.,
S.61
6Freud, Über die allgemeinste Erniedrigung...,
a.a.O., S.200 (Hervorh., C.K.)
7Vgl. Lacan, Über eine Frage, die jeder möglichen
Behandlung der Psychose vorausgeht, in: ders., Schriften
II, Olten 1975, S.86
8Vgl. Christian Kupke, Die Sanduhr oder Die Zeit des
Verstehens, in: Delta Tau Eins, ZeitSchrift für
TopoLogik und StrömungsKunde, Berlin 1986, S.87
passim
9Vgl. ebd., S.109f.
10Vgl. hierzu ebd., S.78f. u. S.85f.
11Freud, Über die allgemeinste Erniedrigung...,
a.a.O., S.209
12Ich erinnere hierbei an die Überlegung Freuds,
"daß wir es im Seelenleben mit Strebungen
zu tun haben, die einem Zwang zur Vereinheitlichung
und Zusammenfassung unterliegen" (Wege der psychoanalytischen
Technik, Studienausgabe Ergänzungsband, Frankfurt/M.
1969, S.243) und desgleichen daran, "daß
vielleicht [auch] der Sexualtrieb selbst nichts Einfaches,
sondern aus Komponenten zusammengesetzt ist, die sich
in den Perversionen wieder von ihm ablösen. Die
Klinik hätte uns so auf Verschmelzungen aufmerksam
gemacht, die in dem gleichförmigen normalen Verhalten
ihren Ausdruck eingebüßt haben" (Drei
Abhandlungen zur Sexualtheorie, a.a.O., S.71). - Beide
Bemerkungen stehen im übrigen in einem Zusammenhang,
in dem es vornehmlich darum geht, den Begriff der Analyse
zu erhellen.
13Freud, Über die allgemeinste Erniedrigung...,
a.a.O., S.202 (Hervorh., C.K.)
14Vgl. hierzu die Bemerkungen Freuds: "Alle äußeren
und inneren Bedingungen, welche das Erreichen des normalen
Sexualzieles erschweren oder in die Ferne rücken
(Impotenz, Kostbarkeit des Sexualobjektes, Gefahren
des Sexualaktes), unterstützen wie begreiflich
die Neigung, bei den vorbereitenden Akten zu verweilen
und neue Sexualziele aus ihnen zu gestalten, die an
die Stelle des normalen treten können." (Drei
Abhandlungen zur Sexualtheorie, a.a.O., S.65; Hervorh.,
C.K.), und: "Personen, bei denen die zärtliche
und die sinnliche Strömung nicht ordentlich zusammengeflossen
sind, haben auch meist ein wenig verfeinertes Liebesleben;
perverse Sexualziele sind bei ihnen erhalten geblieben,
deren Nichterfüllung als empfindliche Lusteinbuße
verspürt wird..." (Über die allgemeinste
Erniedrigung..., a.a.O., S.203; Hervorh., C.K.) - Läßt
sich nicht vielleicht daraus schon schließen,
daß es eigentlich die Impotenz ist, die das Negativ
der Perversion darstellt ?
15Bei Freud heißt es: "Ich glaube, man müßte
sich, so befremdend es auch klingt, mit der Möglichkeit
beschäftigen, daß etwas in der Natur des
Sexualtriebes selbst dem Zustandekommen der vollen
Befriedigung nicht günstig ist." Und weiter:
"Die Genitalien selbst haben die Entwicklung der
menschlichen Körperformen zur Schönheit nicht
mitgemacht, sie sind tierisch geblieben, und so ist
auch die Liebe im Grunde heute ebenso animalisch, wie
sie es von jeher war. Die Liebestriebe sind schwer
erziehbar, ihre Erziehung gibt bald zu viel, bald zu
wenig. Das, was die Kultur aus ihnen machen will, scheint
ohne fühlbare Einbuße an Lust nicht erreichbar,
die Fortdauer der unverwerteten Regungen gibt sich
bei der Sexualtätigkeit als Unbefriedigung zu
erkennen" (Über die allgemeinste Erniedrigung...,
a.a.O., S.208 u. S.209; Hervorh., C.K.) - Die volle
Befriedigung, die die Natur des animalischen Sexualtriebes
verspricht, wird demnach so, für den kulturellen
Menschen, zum Imaginären: "In der Teilung
Mensch/Natur ist die (objektive, materielle) Natur
nur das Imaginäre des so konzipierten Menschen.
In der geschlechtlichen Trennung maskulin/feminin,
einer willkürlichen und strukturalen Trennung,
die das Prinzip sexueller >Realität< (und
Repression) begründet, ist die so definierte >Frau<
immer nur das Imaginäre des Mannes. Jede Seite
der Trennung schließt die andere, die ihr Imaginäres
wird, aus." (Jean Baudrillard, Der symbolische
Tausch und der Tod, München 1982, S.210) - Jede
ist der anderen das Imaginäre als "Realität",
das Imaginäre des Imaginären; oder anders
gesagt: jede ist für die andere die Realisierung
als Simulation einer vollen Befriedigung.
16Vgl. Freud, Über einen besonderen Typus der Objektwahl
beim Manne, Studienausgabe Bd.V, a.a.O., S.188ff.
17Vgl. Ferenczi, Männlich und weiblich, a.a.O.,
S.459f.
18Vgl. Freud, Über die allgemeinste Erniedrigung...,
a.a.O., S.202f. u. S.204f.
19Vgl. Freud, Über einen besonderen Typus..., a.a.O.,
S.189
20Vgl. ebd., S.195
21Freud, Über die allgemeinste Erniedrigung...,
a.a.O., S.204f.
22Ebd., S.202f.; vgl. auch den negativen Befund Freuds,
daß "das Nichtzusammentreffen der beiden
Strömungen [der sinnlichen und der zärtlichen,
C.K.] .. oft genug die Folge (hat), daß eines
der Ideale des Sexuallebens, die Vereinigung aller
Begehrungen in einem Objekt, nicht erreicht werden
kann." (Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie, a.a.O.,
S.105f.; Hervorh., C.K.)
23Freud, Über einen besonderen Typus..., a.a.O.,
S.188
24Vgl. Lacan, Freuds technische Schriften (Seminar-Band
I), Olten 1978, S.181 u. S.223 passim
25Vgl. Freud, Massenpsychologie und Ichanalyse, a.a.O.,
S.104
26Vgl. ebd., S.104f.
27Vgl. hierzu die Situierung des Knechtes in der symbolischen
Ordnung, wie sie Lacan vornimmt: "Ein Gesetz drängt
sich dem Knecht auf, das lautet das Begehren und den
Genuß des andern zu befriedigen. Es genügt
nicht, daß er Gnade erbittet, er muß sich
an die Maloche machen. Und wenn man sich an die Maloche
macht, gibt es Regeln, Arbeitszeit - wir betreten das
Gebiet des Symbolischen." (Freuds technische Schriften,
a.a.O., S.282)
28Vgl. Freud, Massenpsychologie und Ichanalyse, a.a.O.,
S.104
29Ebd.
30Vgl. Freud, Über die allgemeinste Erniedrigung...,
a.a.O., S.205
31Für die hier gemeinte Abstraktheit des phallischen
Genießens hat Edith Seifert in einer Interpretation
der Lacanschen Utilitarismus-These vom Nießbrauch
des Genießens (vgl. Lacan, Encore, Berlin 1986,
S.65f.) die Formel gewählt, daß es - dieses
phallische Genießen - "unnütz"
sei (vgl. Seifert, Was will das Weib ?, a.a.O., S.154
passim). Sie spricht deshalb auch von dessen "fehlgehender
Nützlichkeitsrechnung" (vgl. ebd., S.151).
32Vgl. Freud, Massenpsychologie und Ichanalyse, a.a.O.,
S.105
33Freud, Über die allgemeinste Erniedrigung...,
a.a.O., S.205
34Vgl. Anm.27
35Vgl. Lacan, Die vier Grundbegriffe der Psychoanalyse
(Seminar-Band XI), Olten 1978, S.32
36Freud, Über einen besonderen Typus..., a.a.O.,
S.191 (Hervorh., C.K.)
37Ebd. (Hervorh., C.K.); zur Problematik des Unendlichen
in der Analyse vgl. meine Arbeit >Die Sanduhr oder
Die Zeit des Verstehens<, a.a.O., S.85, 93 u. 104
- 111
38Vgl. Lacan, Encore, a.a.O., S.50 passim
39Edith Seifert, Psychische Realität und Genießen,
in: RISS, Zeitschrift für Psychoanalyse, 5.Jg.
Nr.13/14, S.36-46, hier S.46
40Vgl. Freud, Über einen besonderen Typus..., a.a.O.,
S.190
41Vgl. ebd., S.192
42Vgl. Freud, Über die allgemeinste Erniedrigung,
a.a.O., S.205