Text-Nummer: 0003

Schaltung am: 01.06.1996
Rubrik(en): Forschung und Wissenschaft
Umfang des Textes in Zeichen: 39903
Verfasser(in): Christian Kupke
Geschrieben am:
Kürzel: CK
Originaltitel: "... als würde zwischen zwei Subjekten so etwas wie a(mur) existieren." Vortrag zur Frage der psychischen Impotenz im analytischen Diskurs.
Copyright: Christian Kupke
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Diskussion/Leserbriefe:

Christian Kupke

"...als würde zwischen zwei Subjekten so etwas wie a(mur) existieren." Vortrag zur Frage der psychischen Impotenz im analytischen Diskurs.

Meine Damen und Herren! Von einigen unter Ihnen, sowohl Mitgliedern als auch Nicht-Mitgliedern der >Psychoanalytischen Assoziation - Die Zeit zum Begreifen<, bin ich gebeten worden, doch eine These noch etwas genauer zu explizieren, die ich vor nicht allzu langer Zeit in einem Vortrag zum Verhältnis von Psychoanalyse und Philosophie mit dem Titel "Geschlecht/Geschichte" vertreten habe. Diese These lautet kurzgefaßt folgendermaßen: daß die Aufhebung des von mir so genannten Mangels des geschlechtlichen Seins, der psychischen bzw. psychosexuellen Impotenz, wie Freud es beschreibt - nämlich als "allgemeines kulturleiden" und nicht als die Krankheit einzelner (denn als diese ist sie für mich nur von untergeordnetem Interesse) - im Grunde nur als Simulation möglich ist und daß man daher den durch diese Aufhebung zu erzielenden Genuß auch nur als einen im simulativen Schein voller sexueller Befriedigung sich realisierenden Genuß auffassen kann.
Ich möchte der bitte nach näherer Erläuterung dieser These gerne nachkommen, muß aber doch auf eine Schwierigkeit hinweisen, die sich möglicherweise dem vollen Verständnis von Inhalt und Funktion meiner diesbezüglichen Erörterungen entgegenstellen könnte. Nicht alle, die heute hier sind, haben mienen damaligen Vortrag hören und an der ihm folgenden Diskussion teilnehmen können. sie sind daher insofern benachteiligt, als sie weder den philosophisch-psychoanalytischen Kontext der von mir angeführten These kennen noch auch dadurch den Stellenwert der diese These erläuternden Ausführungen richtig einschätzen können. Abhilfe schaffen läßt sich hier meines Erachtens nur auf zweierlei Weise.
Zum einen besitzt die >Assoziation< - zum Glück, und zum Glück aller ihrer Mitglieder und nicht-Mitglieder, wie man sagen muß; denn das fördert die Kontinuität und Dauer in der Zeit zum Begreifen, d.h. in der Auseinandersetzung zwischen jenem inneren und jenem äußeren Zirkel und sowohl zwischen dem in diesen Zirkeln eingeschlossenen Außen und dem aus diesen Zirklen ausgeschlossenen Innen als auch zwischen all den anderen Zwischen-Räumen, wie sie erst vor kurzem in aller Deutlichkeit von robert Krokowski herausgearbeitet wurden1 - zum Glück also, sage ich, besitzt die >Assoziation< ein Veröffentlichungsorgan am Apparat ihres Genießens: den >Brief der psychoanalytischen Assoziation<, in welchem ich den oben genannten Vortrag habe dokumentieren können. auf ihn möchte ich daher an dieser Stelle verweisen und mit diesem Hinweis zugleich die Hoffnung verbinden, daß, wenn es vielleicht auch nicht möglich gewesen sein sollte, solcherart meinen vorangegangenen Vortrag "vorab" zu konsultieren, sowohl er selbst als auch dieser sich womöglich "nachträglichen" Effekten werden öffnen können -- ganz zum vorteil übrigens für ein volles Verständnis auch dessen, worauf hinzuweisen ich schon damals nicht untrelassen konnte: auf das eigentümliche Verkehrs-, sprich Bedingungs- und Abhängigkeitsverhältnis von Psychoanalyse und Philosophie und auf die damit zweifellos im Zusammenhang stehende wahrhaftige Rede Lacans - vom Halbsagen der Wahrheit.
Zum anderen aber - und das ist für das hic et nunc des heutigen Vortrages sicherlich das Entscheidendere - ist es immer möglich, das bereits Gesagte noch einmal vor Ort zu rekapitulieren, es anders zu sagen. Und indem ich zugleich auch diese Möglichkeit nutzen möchte, werde ich Ihnen hier zunächst, im ersten Teil, kurz die Klammer zu bezeichnen haben, die die zentrale Leitlinie des vorangegangenen Vortrags mit den sie weiterführenden und vertiefenden Erörterungen des heutigen Vortrags in engen Zusammenhang zu bringen vermag. Sodann, im zweiten Teil, werde ich die in diese Klammer bis dato noch nicht integrierte, ihr aber zweifellos zugehörige Simulationsthese in der Weise darzustellen versuchen, daß ihre Herkunft aus Theoremen sowohl Lacanscher als auch Freudscher Provenienz mit Leichtigkeit zu erkennen sein dürfte; daraufhin in einem - als Exkurs gedachten - dritten Teil eine für den vorliegenden Diskussionspunkt spezifische Anwendung der Lacanschen Theorie des Imaginären vorstellen und schließlich in dem die gesamte Analyse (beider Vorträge) vorläufig abrundenden vierten und letzten Teil diejenigen psychoanalytischen Konsequenzen aufweisen, die Ferenczi zwar aus seinem im ersten Vortrag dargestellten und problematisierten Mythos hätte ziehen können, die aber nur anhand der immer wieder heranzuziehenden Freudschen Texte (>Über die allgemeinste Erniedrigung des Liebeslebens< und >Das Tabu der Virginität<) in ausreichender Klarheit offengelegt werden können.

1. In meinem damaligen Vortrag >Geschlecht/Geschichte< habe ich, in aller Kürze gesagt, folgendes unternommen. Ich glaubte, die von Freud so bezeichnete "Liebesspaltung", den Unterschied zweier gegenläufiger Liebesströmungen, einer zärtlichen und einer sinnlichen, einschreiben zu dürfen in dasjenige Feld einer Differenz, das ich Ihnen im gleichen Vortrag, bei der dfiskussion der soziokulturellen Spekulation Hegels aus der >Phänomenologie des Geistes<, mit den Begriffen einerseis eines Anerkennungs- und anmdererseits eines Befriedigungsverhältnisses bezeichnet hatte. Und diese Eisnchreribung wiederum gründete sich auf den Zusammenhang zweier Überlegungen - Sie können sie auch Thesen oder Hypothesen nennen -, die nun auch die Leitlinien der im folgenden anzustellenden Erörterungen ausmachen sollen. Einmal die Überlegung, daß Freud - anders als Hegel, der den geschichtlichen Konflikt darin sah, daß sich die Befriedigung der anthropogenen Begierde über ein ungleiches Anerkennungsverhältnis vermittelt (die sich nur aus diesem Grund zur Differenz von reinem und konkretem Genuß entfaltet), und der deshalb darauf bestand und bestehen mußte, daß die historischen Kämpfe nicht um willen einer imaginären, vollen Befriedigung, sondern um willen einer gleichseitigen und gleichberechtigten Anerkennung ausgetragen werden - daß Freud demgegenüber daran festhielt, daß gerade das konfliktuelle Gegeneinander von Befriedigung und Anerkennung, diese "Spaltung" es sei, die den eigentlichen Mangel des geschlechtlichen Verhältnisses ausmache, und daß letzten Endes dieser Konflikt um willen einer vollen Befriedigung ausgetragen werde. Und zum zweiten die Überlegung, daß - ganz in der Logik der Texte Freuds und Ferenczis - die mögliche, approximative Aufhebung der Spannung zwischen sinnlicher und zärtlicher Strömung für das männliche Geschlecht eher auf Seiten des Befriedigungsverhältnisses, für das weibliche Geschlecht aber eher auf Seiten des Anerkennungsverhältnisses situiert werden müßte - mit den beiden zusätzlichen Hypothesen: daß, wenn der Kampf zwischen den Geschlechtern um willen einer vollen Befriedigung ausgetragen wird, der Mann dieses Ziel allein dadurch erreichen kann - aber natürlich nur annäherungsweise, denn es ist ein imaginäres Ziel -, daß er die Anerkennung des Anderen aus seiner Befriedigung ausschließt, indem er sie seinem sexuellen Begehren unterordnet, die Frau aber nur dadurch, daß sie die Befriedigung in die Anerkennung einschließt, indem sie diese ihrem sexuellen Begehren überordnet. - Was das im einzelnen heißen kann, und wie diese Überlegungen im Freudschen Text selber ihre Bestätigung finden können, werde ich Ihnen nun zu zeigen haben.

2. Als den "allgemeinsten Inhalt" der psychischen Impotenz bestimmt Freud, wie Sie wissen, "die nicht überwundene inzestuöse Fixierung" einerseits - für das männliche Geschlecht - "an Mutter und Schwester"2 und andererseits - für das weibliche Geschlecht - "zumeist ... an den Vater oder den ihn ersetzenden Bruder"3; das heißt, um genauer zu sein, er sieht sie darin, daß das sexuelle Begehren des späteren Erwachsenen im Unbewußten an die anfänglichen Objekte der primären kindlichen Objektwahl gebunden bleibt und sich als Sinnlichkeit im bewußten Sexualleben nicht mehr geltend zu machen vermag: "Die aktiv gebliebene sinnliche Strömung sucht nur nach Objekten, die nicht an die ihr verpönten inzestuösen Personen mahnen; wenn von einer Person ein Eindruck ausgeht, der zu hoher psychischer Wertschätzung führen könnte, so läuft er nicht in Erregung der Sinnlichkeit, sondern in erotisch unwirksame Zärtlichkeit aus"4, also - um mich so auszudrücken - in ein gewissermaßen asexuelles Begehren. Und zwar deshalb, weil einmal, aufgrund jener Fixierung, diese hohe psychische Wertschätzung mit dem anfänglichen Objekt verkoppelt bleibt, und zum anderen, weil damit dieses - die Vater- oder die Mutterimago (als Objekt klein-a) - zum Vorbild aller im späteren Leben möglichen Zärtlichkeit geworden ist.
Bereits an dieser Stelle sehe ich mich aber einem Einwand ausgesetzt, den wahrscheinlich auch Sie mir entgegenhalten werden, - einem Einwand, der wohl weniger die Beschreibung des von mir hier thematisierten Sachverhalts als vielmehr dessen begriffliche Kennzeichnung als eines "asexuellen Begehrens" betreffen dürfte. Denn ist es nicht Freud gewesen (und wer sollte es sonst gewesen sein ?), der immer wieder auf den geradezu erotischen, sinnlichen und sexuellen Charakter der ersten, infantilen Liebesstrebungen hingewiesen hat und der, beispielsweise in den >Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie<, auch jene soeben benannte "hohe psychische Wertschätzung" ausdrücklich als eine "Sexualüberschätzung" kenntlich gemacht hat5 ? Ich gebe Ihnen darin recht, möchte sie aber zugleich auf folgendes aufmerksam machen: daß eben dies bloß die eine Seite der doch im ganzen - bereits in der ersten Triebkonzeption Freuds angelegten - janusartigen Doppelgesichtigkeit des infantilen Liebes- oder, wenn Sie so wollen, Sexuallebens ausmacht, dieses also selber bereits durch eine gewisse Form der Verschmelzung von sinnlichen und zärtlichen Komponenten ausgezeichnet ist und daß deshalb die sinnliche Komponente innerhalb dieses Verhältnisses keineswegs verselbständigt werden darf. Denn die Anforderungen des Selbsterhaltungstriebes in der Bedürfnisbefriedigung - der animalischen Begierde, wie wir jetzt sagen können - sind zwar von Anfang an mit "Beiträgen von den Sexualtrieben" und "Komponenten von erotischem Interesse"6 - der animalischen Liebe - liiert. Aber zum einen ist die in den Selbsterhaltungstrieben sich geltend machende Sinnlichkeit aufgrund der in der Prämaturation begründeten Hilflosigkeit des Kindes ebenso anfänglich gekoppelt an das Begehren überhaupt nach einem Anderen, einem Anderen, der dieser Hilflosigkeit immer schon zuvorkommen soll - und als solche mag sie nun psychoanalytisch als anthropogene Begierde bezeichnet werden. Und zum anderen wird die in den Sexualtrieben sich geltend machende Sinnlichkeit aufgrund der durch das Inzesttabu aufgerichteten Schranke zugleich zurückgedrängt zu einer Form von Zärtlichkeit, die sich überhaupt als ein Begehren nach Anerkennung an und mit jenem Anderen manifestiert.
Sie sehen, das Begehren nach Anerkennung des Anderen, und zwar in seiner anhand des Hegelschen Textes schon aufgewiesenen dreifachen Bedeutung, ist hier die Klammer zwischen den Selbsterhaltungs- oder Ichtrieben einerseits und den Sexualtrieben andererseits. Und wiederum dieses Begehren ist es, das Freud in dem hier diskutierten Text als (ein Begehren nach) Zärtlichkeit bestimmt und das ich Ihnen als ein asexuelles Begehren bezeichnet habe. Daß es nicht - was ich gegenüber dem obigen Einwand ausdrücklich betonen möchte - ein unsexuelles Begehren ist, ein Begehren also, das alles bloß ein(s)machen würde (und das nur ein bestimmter philosophischer Diskurs konzeptualisierte), erkennen Sie daran, daß die Sexualtriebe, gleichursprünglich mit den Selbsterhaltungstrieben, als konstituierendes Moment in es eingehen; und daß es dennoch zugleich ein asexuelles Begehren darstellt, daran, daß es, sei es auch noch so sexuell motiviert, fixiert bleibt an das als anfängliches Objekt zu bestimmende Objekt-klein-a, mithin an das, was Lacan in dem Ihnen bekannten Schema R als i, als image speculaire oder, darin an Freud anknüpfend, als Imago angeschrieben hat7. Was er dagegen selber als a (und als a') bezeichnet, ist nur das doppelte Medium bzw. der doppelte Rahmen, der ZeitRaum (und die RaumZeit), wie ich einmal ausgeführt habe8, in dem das an dieses Begehren zurückgebundene Begehren sich bewegt und in dem es über a1, a2, a3 ... an (bzw. a'1, a'2, a'3 ... a'n) eine Transgression seiner selbst zu erreichen sucht im HinBlick auf oder in HinNeigung9 zum ursprüngliche Objekt M (und zum Ichideal I)10. Mit Rückbindung ist dabei gemeint: vom asexuellen Begehren, insofern Sexual- und Selbsterhaltungstrieb, anthropogene Begierde und Begehren nach Anerkennung, Sinnlichkeit und und Zärtlichkeit in ihm bereits auf besondere, quasi vor-bildliche Weise verknüpft sind und das daher als solches buchstäblich den Rahmen abgibt für jede weitere Liebesstrebung, von diesem asexuellen Begehren vermag sich das sexuelle Begehren aufgrund seiner Motivierung durch den mit der zärtlichen Strömung verschmolzenen Sexualtrieb niemals ganz zu lösen.
Diese Unlösbarkeit ist es nun aber, die überhaupt den Mangel als Mangel fundiert. Denn ohne sie wäre weder ein Mangel in der Befriedigung, die "Unfähigkeit des Sexualtriebes, volle Befriedigung zu ergeben"11, anzunehmen - er wäre dann nicht zurückgedrängt und auch nicht eingeschränkt - noch auch die hier in Frage stehende Spaltung als ein Mangel des Verhältnisses, als Konflikt erfahrbar. Das aber heißt: soll das Ergebnis nicht die vollständige Impotenz oder die manifeste Perversion sein, also der Konflikt nicht zur Dis-Simulation oder zur tendentiellen Auf-Lösung der im Begehren zusammengefaßten und vereinheitlichten Strebungen führen12 - wobei im Falle der vollständigen Impotenz "die sinnliche Strömung ... in ihrem ganzen Betrag dem Schicksal [verfällt], sich hinter der zärtlichen verbergen zu müssen"13, während in der manifesten Perversion gerade umgekehrt die sinnliche Strömung sich vor die zärtliche schiebt14 -, so kann die Lösung dieses Konfliktes nur in einer Simulation jener vollen Befriedigung oder - insofern eben diese sogenannte "volle Befriedigung" nur imaginär ist, im Imaginären dieses Imaginären bestehen15. Und auch hier, wie in allem Imaginären, wären dann zwei, wie spiegelbildlich sich zueinander verhaltende Alternativen möglich: Entweder vermag die sinnliche Strebung, statt sich bloß, wie in der Perversion, vor die zärtliche zu schieben, diese noch auf andere Weise auszuschließen, nämlich so, daß sie sich ihr, als ihrem gleichwohl eigenen Inneren, überordnet, sie also unter sich dennoch anerkennt, oder aber sie vermag, statt sich bloß, wie in der Impotenz, hinter der zärtlichen zu verbergen, sich in diese derart einzuschließen, daß sie sich ihr, als ihrem gleichwohl eigenen Äußeren, unterordnet, sie also über sich anerkennt. - Daß diese - ich muß zugeben: sicherlich nicht ohne weiteres einsichtige - Konstruktion dennoch Sinn macht und daß sie darüber hinaus, wie ich meine, auch durch den Freudschen Text vollkommene Bestätigung findet, das möchte ich Ihnen nun noch im folgenden zeigen.

3. Zunächst einmal möchte ich Sie darauf hinweisen, daß Freud, obwohl er als sogenanntes "Hauptschutzmittel" gegen die Störung der Impotenz sowohl bein männlichen wie beim weiblichen Geschlecht den Eintritt in ein anderes, noch näher zu kennzeichnendes (Sexual-)Verhältnis anführt, offensichtlich nicht darauf abzielt bzw. kein großes Gewicht darauf zu legen scheint, daß dieses andere Verhältnis auch notwendigerweise ein zweites Verhältnis oder dies doch zumindest nicht in der Weise darstellt, daß das erste neben diesem zweiten in einem zeitlich verstandenen Sinne weiterhin aufrechterhalten wird. Denn wenn auch beide Geschlechter ihre Potenz fürs erste dadurch weidererlangen können, daß sie sich einem Mann oder einer Frau "zweiter Ordnung" hingeben, so ist es doch Freud zufolge nicht selten, daß der seiner Ehefrau oder "seinem gesitteten Weibe" gegenüber impotente und im Verhältnis zu einer Geliebten wieder potent gewordene Mann dieses Sexualobjekt, "mit welchem psychologisch die Möglichkeit der vollen Befriedigung verknüpft ist", zur Ehefrau wählt, oder daß diejenige Frau, die "in einer ersten Ehe frigid bleibt und sich unglücklich fühlt ... nach Lösung dieser Ehe ihrem zweiten Manne eine zärtliche und beglückende Frau wird".
Sie werden fragen: Womit hängt das zusammen? - Ich meine, offenbar damit, daß die Bedingung des anderen Verhältnisses oder des Dritten auch im ersten Verhältnis virtualiter bereits gegeben, aber erst im zweiten Verhältnis aktualiter erfüllt ist, d.h. mit der Ihnen soeben bezeichneten Tatsache, daß das Objekt-klein-a, dem sowohl die erotisch wirksame Sinnlichkeit als auch die erotisch unwirksame Zärtlichkeit gilt und das daher indifferentiell und indefinit als "der, die oder das Andere" bezeichnet werden kann, zwar insofern, als es bloß imaginär ist, irreduzibel absent, nicht-präsent, aber doch in jedem anderen und von daher in einem immer schon zweiten Anderen als "der, die oder das Dritte" realiter präsent bzw. als jenes nicht-Präsente in diesem realiter Präsenten repräsentiert ist. Der Rahmen, den dieses Nicht-Präsente abgibt, muß also prinzipiell beide Möglichkeiten offenlassen: sowohl die Möglichkeit einer vollen Befriedigung als auch die des gänzlichen Ausfalls einer solchen; und der Übergang vom Virtuellen zum Aktuellen wäre dann hier - im Falle des Übergangs von der Störung der Impotenz im ersten Verhältnis zur Aufhebung dieser Störung im zweiten - der einer Realisation der vollen Befriedigung in einem je schon anderen Verhältnis, - einer Realisation also, die - wie ich Ihnen bereits ausgeführt habe - zugleich als Simulation zu begreifen wäre. Denn wie auch immer das erste Verhältnis, das selber bereits eine realisation von möglichkeit darstellt, realiter strukturiert ist, der Objektwechsel im Übergang von diesem zum zweiten ist immer ein Wechsel im Rahmen desselben imaginären Objekts. Und insofern eben dieses Objekt imaginär ist, führt es in das Simul der Simulation, das die Ähnlichkeit der gewonnenen Befriedigung mit dem volen sexuellen Genuß manifestiert, zugleich eine Täuschung ein, die auch noch die Ähnlichkeit und damit die virtuelle Austauschbarkeit, die Substitutionalität und Supplementarität der gewechselten Objekte untereinander garantiert.
Anders gesagt, tritt der impotente Mann oder die frigide Frau aus einem scheinbar un-sexuellen in ein zweites, scheinbar rein-sexuelles Verhältnis ein, so ist dieses keinesfalls das pure Gegenteil des anderen, sondern hebt dieses in einem noch zu bestimmenden Sinne in sich auf. Ja, in gewisser Weise ist es dadurch selbst gar nichts anderes als dieses andere Verhältnis und unterscheidet sich von diesem nur dadurch, daß die beiden Komponenten des asexuellen Begehrens in ihm in einem selber noch bestimmten Verhältnis zueinander realisiert werden. - Dann aber, so muß man offensichtlich folgern, ist es auch nicht mehr ausgeschlossen, daß überhaupt an ein- und demselben realen (zweiten) Objekt beide komponenten sich in gleicher Weise realisieren, also die unterschiedlichen Verhältnisse, in welchem beide komponenten in dem einen, scheinbar un-sexuellen und in dem anderen, scheinbar rein-sexuellen Verhältnis zueinander stehen, in einem einzigen Verhältnis miteinander zusammengehen und so eine doppelte, eine regressive und eine progressive (bzw. antizipative) Simulation instituieren: die einer Erfüllung sowohl des sexuellen als auch des unsexuellen und also damit überhaupt und insgesamt des asexuellen Begehrens.

4. Was ich Ihnen soeben als die Lösung des angezeigten Konfliktes, als Simulation einer vollen Befriedigung (oder als das Imaginäre des Imaginären) bezeichnet habe, wird in den Freudschen Texten zunächst, was das männliche Sexualverhalten anbelangt, auf zweierlei Weise thematisch: einmal, im ersten der >Beiträge zur Psychologie des Liebeslebens<, als ein "besonderer Typus der Objektwahl" und sodann, im zweiten dieser >Beiträge<, als "allgemeinste Erniedrigung des Liebeslebens". Freud geht dabei folgendermaßen vor: Den Typus, den er im ersten Aufsatz beschreiben will, differenziert er nach zwei Gesichtspunkten, dem der allgemeinen Liebesbedingungen, die für diesen Typus bezeichnend sind - die Bedingung des geschädigten Dritten und die Bedingung der Dirnenliebe - und dem des Verhaltens des Liebenden gegen das Objekt seiner Wahl - die auffällige Überschätzung des Liebesobjekts und die Tendenz, die Geliebte zu retten16. Insgesamt also sind es vier charakteristische Merkmale, die er hervorhebt. Während aber das erste und zweite Merkmal nur in einer, noch herauszuarbeitenden indirekten Beziehung zur "allgemeinsten Erniedrigung des Liebeslebens" stehen und das vierte (das auch in dem von mir hier herangezogenen Aufsatz Ferenczis eine nicht unwesentliche Rolle spielt17) im zweiten >Beitrag< überhaupt nicht weiter diskutiert wird, ist das dritte der eigentliche Angelpunkt der gesamten Argumentation. Jedoch, auf eine anscheinend widersprüchliche Weise: denn wird im zweiten Text als das "Hauptschutzmittel" gegen die Störung der Impotenz die psychische Erniedrigung des Sexualobjektes mit der Folge seiner Geringschätzung angeführt18, wird dagegen im ersten Text betont, daß es - offenbar als erniedrigtes Objekt - gerade eine Erhöhung und Überschätzung erfährt19. Daraus ließe sich vielleicht schließen, daß Freud sich in den beiden Aufsätzen jeweils ganz unterschiedlichen Themen gewidmet habe: im ersten der Darstellung eines spezifischen, "extrem und scharf umschriebenen Typus der Objektwahl"20 und im zweiten, wie es im Titel heißt, nur der "allgemeinsten" Form der Erniedrigung. In gewissem Maße trifft dies sicherlich zu. Aber wenn er zugleich vom - sicherlich allgemeinen und kulturbedingten - "Typus der psychischen Impotenz" spricht und betont, daß der Mann "seine volle Potenz erst (entwickelt), wenn er ein erniedrigtes Sexualobjekt vor sich hat..., das ethisch minderwertig ist, dem er ästhetische Bedenken nicht zuzutrauen braucht, das ihn nicht in seinen anderen Lebensbeziehungen kennt und beurteilen kann"21, so bleibt doch immer noch zu erklären: zum einen, wie denn eine solch hohe psychische Wertschätzung überhaupt die Folge einer Erniedrigung des Sexualobjektes sein kann, und zum anderen, wie dieser Sachverhalt in Einklang zu bringen ist mit der Behauptung Freuds, daß diese Wertschätzung zugleich einem anderen Objekt reserviert sei, nicht nur "dem inzestuösen Objekt", sondern auch "dessen Vertretungen"22, und zwar in den besagten anderen, den - wie ich sie nennen will - privaten Lebensbeziehungen.
Sie werden sicherlich fragen, warum ich darauf Wert lege, diese anderen Liebesbeziehungen gerade als private Liebesbeziehungen zu bezeichnen. Deshalb, weil ich meine, daß auch Freud bei diesen Beziehungen an die spezifisch bürgerliche Privatsphäre denkt, und zum anderen, und das ist mir bei weitem das Wichtigere: weil durch den Vorrang des asexuellen Begehrens in dieser Sphäre das sexuelle Begehren eine Privation erfährt, die nur durch ein quasi öffentliches - Freud spricht "mit etwas Vergröberung", wie sie bereits wissen, von der ">Dirnenliebe<"23 -, aber in jedem Fall durch ein nicht-familiäres Verhältnis wieder aufgehoben werden kann. Mit anderen Worten: tritt der Mann aus dieser seiner Privat(ions)sphäre heraus, dann schließt er die in ihr durch das symbolische Band (über den Vertrag und das Gesetz24) gewährte und gewährleistete Anerkennung des Anderen zugunsten der im Imaginären sich situierenden Erniedrigung eines anderen Anderen aus und tritt damit ins Verhältnis zu einem zweiten Anderen - einer Dritten im triadischen Gesamtverhältnis -, in dem sich die "ursprüngliche Vollströmung"25 der im asexuellen Begehren noch privatierten sinnlichen Strebung nunmehr frei entfalten kann. In diesem Zusammenhang spricht Freud einerseits, was die durch das Imaginäre strukturierte Verliebtheit anbelangt, von ungehemmten und andererseits, was die über das Symbolische vermittelte Liebe anbelangt, von zielgehemmten Trieben26 und verweist damit offenbar darauf, daß - wie auch in der Thematisierung Hegels - in dem einen Fall, dem der ungehemmten Begierde oder des rein sexuellen Begehrens, wie wir jetzt sagen können, lediglich ein abstraktes Genießen, aber im anderen Fall, dem der gehemmten Begierde oder des asexuellen Begehrens, gerade ein konkretes Genießen möglich ist. Denn wenn in demjenigen Liebes-Verhältnis, in dem sich die beiden Geschlechter dem symbolischen Gesetz unterwerfen, diese das Begehren nach Anerkennung und den Genuß des Anderen dadurch zugleich befriedigen und erhalten27, daß sie dem Sexualobjekt eine dauernde Besetzung zuwenden und es damit, wie Freud sich ausdrückt, "auch in den begierdefreien Zwischenzeiten .. >lieben<"28, ist dieses ihr Tun, diese Form der "Arbeit", ein sie beide subjektivierendes Tun; wohingegen das in ein rein sexuelles Begehren verstrickte Subjekt sich im Anderen - und diesen Anderen selbst - lediglich objektiviert, indem es, in einem unstillbaren Reizhunger und in der Bildung einer potentiell unendlich langen Reihe, Objekte dieses "Hungers" sich aneignet "zum Zwecke der direkten Sexualbefriedigung", in welcher auch die Verliebtheit "mit Erreichung dieses Zieles erlischt"29.
Wenn aber Freud auf der anderen Seite für den Fall eines solchen Verhältnisses dennoch von einem vollen sexuellen Genuß glaubt sprechen zu dürfen30, so wird man sich hier offensichtlich nicht mit der Auskunft zufriedengeben können, es handle sich eben bei diesem bloß um einen sexuellen und eben in solchem Sinne um einen vollen, aber abstrakten Genuß. Denn wenn es richtig ist, was ich Ihnen soeben ausgeführt habe, daß eine volle (sexuelle) Befriedigung schon allein aufgrund der Unlösbarkeit des sexuellen Begehrens vom asexuellen Begehren niemals erreichbar ist, wie kann dann ein solches Genießen sich realisieren, wenn nicht als Simulation eines abstrakten, und zwar eines phallischen Genießens31 ? Als Simulation eines solchen also, in welchem sich, wie es heißt, die "ursprüngliche Vollströmung", mithin die bereits im Mythos Ferenczis herausgearbeitete ursprüngliche Aktivität wieder zur Geltung zu bringen vermag ? In der Tat, als simulierte vermag sie sich nicht wirklich zur Geltung zu bringen, denn das setzte wiederum eine völlig abstrakte, von jeglicher Anerkennung gänzlich befreite Erniedrigung und Geringschätzung des Anderen voraus; und daß eine solche unmöglich ist, läßt sich nun leicht zeigen. Die Erniedrigung und Geringschätzung schließt nämlich zunächst, wie ich bereits gesagt habe, die Anerkennung des Anderen zwar aus dem dem priva(iv)en Verhältnis gegenüber öffentlichen Verhältnis aus; der (impotente) Mann ist, wie es bei Freud heißt, "nur potent gegen .. Frauen, die er nicht >liebt<, geringschätzt oder selbst verachtet"32, die er mithin nicht-anerkennt. Aber indem er dadurch dem Text zufolge "ohne Rücksicht", also ohne ästhetische, ethische oder anderweitige Bedenken "sich der Befriedigung hingeben darf, was er zum Beispiel bei seinem gesitteten Weibe nicht wagt"33, wird von ihm das in diesem Verhältnis besetzte Sexualobjekt gerade als solchermaßen nicht-anerkanntes anerkannt und umgekehrt das im privat(iv)en Verhältnis besetzte Objekt als das von ihm anerkannte gerade nicht anerkannt.
Soll nun aber dies nicht bloß ein Spiel mit Worten sein, soll damit nicht bloß auf die bereits bei der Thematisierung Hegels reflexiv-triviale, dort aber durchaus noch produktive Einsicht verwiesen werden, daß die Begriffe der Anerkennung und der Nicht-Anerkennung, des Überschätzens und des Geringschätzens auch noch aufeinander angewandt werden können; oder anders gesagt: soll hier die Simulation einer vollen Befriedigung nicht bloß eine Simulation der Begriffe und des Bewußtseins, also eine selber mangelhafte Simulation in dem Sinne sein, daß, wie es bei Freud heißt, "eines der Ideale des Sexuallebens, die Vereinigung aller Begehrungen in einem Objekt"34, hier gar nicht wirklich realisiert, sondern wiederum nur reflexiv - als die Anerkennung der Nicht-Anerkennung und die Nicht-Anerkennung der Anerkennung, also doch im Sinne einer Dis-Simulation als Perversion und als Impotenz - auf zwei unterschiedliche Objekte, auf die Dirne und die Ehefrau, verteilt wäre; soll also alles dies nicht das letzte, philosophische Machtwort über die Psychoanalyse sein - und ein solches Wort, Sie wissen es, wäre bloß ein Un-Macht-Wort -, so müssen wir doch offensichtlich die Simulation noch viel weiter und als solche denken, in welcher "der, die oder das Andere", von welchem wir hier, in der Anerkennung oder Nicht-Anerkennung des Anderen, sprechen, als ein- und dasselbe, nämlich als das Un des Unbewußten - und ich scheue mich hier zu sagen: "begriffen" wird35. Denn im Unbewußten, so belehrt uns Freud in seinem ersten >Beitrag<, "(fällt) häufig in Eines zusammen .., was im Bewußtsein in zwei Gegensätze gespalten vorliegt"36; und Freud tut dies in einem Zusammenhang, in dem er zugleich von dem "im Unbewußten wirksame(n) Unersetzliche(n)" spricht, das "sich häufig durch die Auflösung in eine unendliche Reihe kundgibt, unendlich darum, weil jedes Surrogat doch die erstrebte Befriedigung vermissen läßt"37. - Diese Insuffizienz des Geschlechtsverhältnisses (Lacan spricht von ihm sogar als einem "inexistentem"38), die so eigentümlich kontrastiert mit der Behauptung eines vollen sexuellen Genusses, - ist es nicht diese Insuffizienz, die hier, vermöge des einen und einzigen, unersetzlichen Objektes, als Suffizienz simuliert wird so, "als würde zwischen zwei Subjekten so etwas wie (a)mur existieren"39 ? Und in der Tat: damit das Simul der Simulation, die Ähnlichkeit der gewonnenen Befriedigung mit dem vollen sexuellen Genuß entstehen kann, muß in die - sonst bloß mangelhafte - Simulation noch eine Täuschung eingehen, in ihr ein imaginärer Aus-Tausch von Objekten stattfinden, durch den Sinnlichkeit und Zärtlichkeit in einem einzigen Objekt derart vereinigt werden können, daß sowohl das eine (die Dirne) als auch das andere (die Ehefrau) - unter der Herrschaft des Realitätsprinzips: der Anerkennung hier und der Nicht-Anerkennung dort - als das selbe, nämlich als das eine und unersetzliche Objekt imaginiert werden.
Dieses eine und unersetzliche Objekt ist nun Freud zufolge für das männliche Geschlecht - und darauf zielt insgesamt der erste der >Beiträge zur Psychologie des Liebeslebens< ab - die Mutter, oder genauer gesagt die Mutterimago, - das also, was ich Ihnen vorhin als Objekt-klein-a benannt habe und welches das sexuelle Begehren immer auch - und zugleich - als a-sexuelles Begehren strukturiert. Von ihm her gedacht sind aber dann Anerkennung und Nicht-Anerkennung, Überschätzen und Geringschätzen nicht mehr nur im Sinne einer reflexiven Wiederholung aufeinander anwendbar, sondern im Sinne einer Wiederkehr: einer Wiederkehr der Anerkennung im Sinne des in der zärtlichen Fixierung die Mutter zur asexuellen Frau "erhebenden" Begehrens40 - unter den Bedingungen der Nicht-Anerkennung, nämlich der Dirne, und einer Wiederkehr der Nicht-Anerkennung im Sinne der im Ödipus-Komplex die Mutter zur sexuellen Frau "erniedrigenden" Begierde41 - unter den Bedingungen der Anerkennung, nämlich der Ehefrau. Jene Wiederkehr der Anerkennung auf Seiten der Dirne ist also deren imaginäre Verwandlung zur zärtlichen Frau - die eben deshalb, wie Freud oft genug betont, auch zur Ehefrau werden kann42, und umgekehrt die Wiederkehr der Nicht-Anerkennung auf Seiten der Ehefrau deren imaginäre Verwandlung zur sinnlichen Frau, die nunmehr dadurch erniedrigt wird und als Sexualobjekt wieder in dem Blick zu kommen vermag. Nur durch diese Bindung der Begriffe ans Ubw, oder genauer gesagt: nur durch die Bindung des durch sie Gemeinten ans Unbewußte läuft die aufgezeigte Dialektik nicht leer, läßt sich für das Geschlechtsverhältnis des männlichen Geschlechtes zwar dialektisch, aber nicht rein-reflexiv sagen: in ihm ist, was das Verhältnis zur Dritten anbelangt, die zärtliche Komponente des Sexualtriebes derart ausgeschlossen, daß die sinnliche Komponente ihr, als ihrem gleichwohl eigenen Inneren, lediglich übergeordnet und deshalb als der zärtlichen Komponente untergeordnete dennoch - als im Bilde der Mutter - anerkannt ist.

Anmerkungen

Vgl. Robert Krokowski, Das Begehren des Analytikers in der Zeit zum Begreifen, in: Brief der psychoanalytischen Assoziation "Die Zeit zum Begreifen", Nr.8 v. 15. November 1991, S.3-33, hier S.17ff.
2Ebd., S.199
3Freud, Das Tabu der Virginität, a.a.O., S.223
4Freud, Über die allgemeinste Erniedrigung..., a.a.O., S.202 (Hervorh., C.K.)
5Vgl. Freud, Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie, a.a.O., S.61
6Freud, Über die allgemeinste Erniedrigung..., a.a.O., S.200 (Hervorh., C.K.)
7Vgl. Lacan, Über eine Frage, die jeder möglichen Behandlung der Psychose vorausgeht, in: ders., Schriften II, Olten 1975, S.86
8Vgl. Christian Kupke, Die Sanduhr oder Die Zeit des Verstehens, in: Delta Tau Eins, ZeitSchrift für TopoLogik und StrömungsKunde, Berlin 1986, S.87 passim
9Vgl. ebd., S.109f.
10Vgl. hierzu ebd., S.78f. u. S.85f.
11Freud, Über die allgemeinste Erniedrigung..., a.a.O., S.209
12Ich erinnere hierbei an die Überlegung Freuds, "daß wir es im Seelenleben mit Strebungen zu tun haben, die einem Zwang zur Vereinheitlichung und Zusammenfassung unterliegen" (Wege der psychoanalytischen Technik, Studienausgabe Ergänzungsband, Frankfurt/M. 1969, S.243) und desgleichen daran, "daß vielleicht [auch] der Sexualtrieb selbst nichts Einfaches, sondern aus Komponenten zusammengesetzt ist, die sich in den Perversionen wieder von ihm ablösen. Die Klinik hätte uns so auf Verschmelzungen aufmerksam gemacht, die in dem gleichförmigen normalen Verhalten ihren Ausdruck eingebüßt haben" (Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie, a.a.O., S.71). - Beide Bemerkungen stehen im übrigen in einem Zusammenhang, in dem es vornehmlich darum geht, den Begriff der Analyse zu erhellen.
13Freud, Über die allgemeinste Erniedrigung..., a.a.O., S.202 (Hervorh., C.K.)
14Vgl. hierzu die Bemerkungen Freuds: "Alle äußeren und inneren Bedingungen, welche das Erreichen des normalen Sexualzieles erschweren oder in die Ferne rücken (Impotenz, Kostbarkeit des Sexualobjektes, Gefahren des Sexualaktes), unterstützen wie begreiflich die Neigung, bei den vorbereitenden Akten zu verweilen und neue Sexualziele aus ihnen zu gestalten, die an die Stelle des normalen treten können." (Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie, a.a.O., S.65; Hervorh., C.K.), und: "Personen, bei denen die zärtliche und die sinnliche Strömung nicht ordentlich zusammengeflossen sind, haben auch meist ein wenig verfeinertes Liebesleben; perverse Sexualziele sind bei ihnen erhalten geblieben, deren Nichterfüllung als empfindliche Lusteinbuße verspürt wird..." (Über die allgemeinste Erniedrigung..., a.a.O., S.203; Hervorh., C.K.) - Läßt sich nicht vielleicht daraus schon schließen, daß es eigentlich die Impotenz ist, die das Negativ der Perversion darstellt ?
15Bei Freud heißt es: "Ich glaube, man müßte sich, so befremdend es auch klingt, mit der Möglichkeit beschäftigen, daß etwas in der Natur des Sexualtriebes selbst dem Zustandekommen der vollen Befriedigung nicht günstig ist." Und weiter: "Die Genitalien selbst haben die Entwicklung der menschlichen Körperformen zur Schönheit nicht mitgemacht, sie sind tierisch geblieben, und so ist auch die Liebe im Grunde heute ebenso animalisch, wie sie es von jeher war. Die Liebestriebe sind schwer erziehbar, ihre Erziehung gibt bald zu viel, bald zu wenig. Das, was die Kultur aus ihnen machen will, scheint ohne fühlbare Einbuße an Lust nicht erreichbar, die Fortdauer der unverwerteten Regungen gibt sich bei der Sexualtätigkeit als Unbefriedigung zu erkennen" (Über die allgemeinste Erniedrigung..., a.a.O., S.208 u. S.209; Hervorh., C.K.) - Die volle Befriedigung, die die Natur des animalischen Sexualtriebes verspricht, wird demnach so, für den kulturellen Menschen, zum Imaginären: "In der Teilung Mensch/Natur ist die (objektive, materielle) Natur nur das Imaginäre des so konzipierten Menschen. In der geschlechtlichen Trennung maskulin/feminin, einer willkürlichen und strukturalen Trennung, die das Prinzip sexueller >Realität< (und Repression) begründet, ist die so definierte >Frau< immer nur das Imaginäre des Mannes. Jede Seite der Trennung schließt die andere, die ihr Imaginäres wird, aus." (Jean Baudrillard, Der symbolische Tausch und der Tod, München 1982, S.210) - Jede ist der anderen das Imaginäre als "Realität", das Imaginäre des Imaginären; oder anders gesagt: jede ist für die andere die Realisierung als Simulation einer vollen Befriedigung.
16Vgl. Freud, Über einen besonderen Typus der Objektwahl beim Manne, Studienausgabe Bd.V, a.a.O., S.188ff.
17Vgl. Ferenczi, Männlich und weiblich, a.a.O., S.459f.
18Vgl. Freud, Über die allgemeinste Erniedrigung..., a.a.O., S.202f. u. S.204f.
19Vgl. Freud, Über einen besonderen Typus..., a.a.O., S.189
20Vgl. ebd., S.195
21Freud, Über die allgemeinste Erniedrigung..., a.a.O., S.204f.
22Ebd., S.202f.; vgl. auch den negativen Befund Freuds, daß "das Nichtzusammentreffen der beiden Strömungen [der sinnlichen und der zärtlichen, C.K.] .. oft genug die Folge (hat), daß eines der Ideale des Sexuallebens, die Vereinigung aller Begehrungen in einem Objekt, nicht erreicht werden kann." (Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie, a.a.O., S.105f.; Hervorh., C.K.)
23Freud, Über einen besonderen Typus..., a.a.O., S.188
24Vgl. Lacan, Freuds technische Schriften (Seminar-Band I), Olten 1978, S.181 u. S.223 passim
25Vgl. Freud, Massenpsychologie und Ichanalyse, a.a.O., S.104
26Vgl. ebd., S.104f.
27Vgl. hierzu die Situierung des Knechtes in der symbolischen Ordnung, wie sie Lacan vornimmt: "Ein Gesetz drängt sich dem Knecht auf, das lautet das Begehren und den Genuß des andern zu befriedigen. Es genügt nicht, daß er Gnade erbittet, er muß sich an die Maloche machen. Und wenn man sich an die Maloche macht, gibt es Regeln, Arbeitszeit - wir betreten das Gebiet des Symbolischen." (Freuds technische Schriften, a.a.O., S.282)
28Vgl. Freud, Massenpsychologie und Ichanalyse, a.a.O., S.104
29Ebd.
30Vgl. Freud, Über die allgemeinste Erniedrigung..., a.a.O., S.205
31Für die hier gemeinte Abstraktheit des phallischen Genießens hat Edith Seifert in einer Interpretation der Lacanschen Utilitarismus-These vom Nießbrauch des Genießens (vgl. Lacan, Encore, Berlin 1986, S.65f.) die Formel gewählt, daß es - dieses phallische Genießen - "unnütz" sei (vgl. Seifert, Was will das Weib ?, a.a.O., S.154 passim). Sie spricht deshalb auch von dessen "fehlgehender Nützlichkeitsrechnung" (vgl. ebd., S.151).
32Vgl. Freud, Massenpsychologie und Ichanalyse, a.a.O., S.105
33Freud, Über die allgemeinste Erniedrigung..., a.a.O., S.205
34Vgl. Anm.27
35Vgl. Lacan, Die vier Grundbegriffe der Psychoanalyse (Seminar-Band XI), Olten 1978, S.32
36Freud, Über einen besonderen Typus..., a.a.O., S.191 (Hervorh., C.K.)
37Ebd. (Hervorh., C.K.); zur Problematik des Unendlichen in der Analyse vgl. meine Arbeit >Die Sanduhr oder Die Zeit des Verstehens<, a.a.O., S.85, 93 u. 104 - 111
38Vgl. Lacan, Encore, a.a.O., S.50 passim
39Edith Seifert, Psychische Realität und Genießen, in: RISS, Zeitschrift für Psychoanalyse, 5.Jg. Nr.13/14, S.36-46, hier S.46
40Vgl. Freud, Über einen besonderen Typus..., a.a.O., S.190
41Vgl. ebd., S.192
42Vgl. Freud, Über die allgemeinste Erniedrigung, a.a.O., S.205


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