Text-Nummer: 0177

Schaltung am: 28.02.97
Rubrik(en): Kultur, Forschung und Wissenschaft
Umfang des Textes in Zeichen: 1461
Verfasser(in): Hans Tennstedt
Originaltitel: Und schon geht es los
Copyright: Hans Tennstedt

Hans Tennstedt

Und schon geht es los

Kaum ist die Meldung vom erfolgreichen Klonen eines Tieres an die Ohren von Politikern gedrungen, werden die Notwendigen "Maßnahmen" erwogen. Diese folgen nicht Konzepten, mit denen institutionalisierte Forschung auf ihre ethische Orientierung befragt wird, sondern der Tendenz der Vereinnahmung getätigter Forschung zu eigenen Zwecken, mit der Behauptung, gerade dies sei ethisch geboten. Kaum also ist die Meldung eines erfolgreichen Experiments öffentlich geworden, wird eine "intensive Auseinandersetzung" mit seinen Ergebnissen gefordert, um sie nicht der "Anarchie privater Forschungsinstitute" zu überlassen. So zumindest drückt sich sinngemäß Bill Clinton aus, wenn er die amerikanischen Wissenschaftler auffordert den Klon-Markt nicht den britischen Forschern allein zu überlassen. Man braucht nicht nur bei solchen Verlautbarungen in Zukunft genauer hinzuhören, um zu erfahren, in welche Richtung sich der Umgang mit ethisch problematischen Wissenschaftstendenzen entwickeln wird. "Institutionelle" Arbeit - das hat die Geschichte gezeigt, auch Arbeit unter politischer Kontrolle, war nie ein Garant dafür (und wird nie einer sein), daß inhaltlich nicht genau das geschieht, was als "Anarchie" beschworen und kritisiert wird. Transparenz und Kontrolle von Forschungsprozessen ist durch Richtlinienkompetenz ebensowenig zu gewährleisten wie durch inbrünstige Bekenntnisse zur "richtigen" moralischen Einstellung.


This text is a Ragman's Rake document. (c) 1996 by the Author or/and by Ragman's Rake. Email: [email protected]