Text-Nummer: 0047

Schaltung am: 8.06.1996
Rubrik(en): Kultur
Umfang des Textes in Zeichen: 1121
Verfasser(in): Jana Kolontai
Geschrieben am: 08.06.1996
Kürzel:
Originaltitel: Die Theaterblase
Copyright: Jana Kolontai
Veröffentlichungsabsicht von/am:
Veröffentlicht von/am:
Übersetzungstitel:
Übersetzer(in):
Copyright Übersetzung:
Diskussion/Leserbriefe:

Jana Kolontai

Die Theaterblase

Wo Boris Jochananows Inszenierung von Tschechows "Kirschgarten" anzuschauen ist? Soll nicht verraten werden. Warum? Für Zuschauer nicht geeignet. Warum? Weil diese mit der Bühnenlosigkeit von Jochananows Theater nichts anfangen könnten. Die Blase, in den Jochananow die Figuren Tschechows verpflanzt, ist keine Bühne. Die riesige Folienblase ist der innere Ausschluß des Theaters in seinem Raum. Er wäre nur solchen Zuschauern zugänglich, die verstünden, die topologische Figur einer cross cap zu lesen. Träumt das Innen (Tschechows "Kirschgarten") das Außen (Jochananows Garten der "Freaks")? Oder träumt das Außen (die Gruppe sogenanter "Behinderter") das Innen (Jochananows "Kirschgarten")? Inna Kolosowa jedenfalls: ein Traum. Der Zuschauer: weder innen noch außen. Dazwischen. Seine Sicht ist die Blase, die den Kontakt mit jenen verhindert, die von den Betrachtern der Blase "behindert" genannt werden. Erst sein Blick ließe die Blase platzen. Aber dafür müßte er Jochananows Garten finden.
(In dieser Schilderunf der Inszenierung von Jochananows "Garten" gibt es keine Metaphern.)


This text is a Ragman�s Rake document. (c) 1996 by the Author or/and by Ragman�s Rake. e-mail: [email protected]