Text-Nummer: 0105

Schaltung am: 13.08.1996
Rubrik(en): Politik, Kultur
Umfang des Textes in Zeichen: 2161
Verfasser(in): Lutz Meiser
Geschrieben am: 12.08.1996
Kürzel: Mei
Originaltitel: Mission? Impossible!
Copyright: Lutz Meiser
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Diskussion/Leserbriefe:

Lutz Meiser

Mission? Impossible!

Einige deutsche Politiker würden nicht damit einverstanden sein, die Kontoverse über Scientology einen Religionszwist zu nennen. Einige amerikanische Politiker scheinen den Protest junger deutscher Konservativer gegen den Produzenten und Protagonisten von "Mission impossible" nicht zu verstehen - und sie scheinen auch nicht politische Initiativen zu verstehen, Scientology in Deutschland zu verbieten. Eine ganze Reihe von Gründen wird dort angegeben, um Scientology zu bekämpfen: rassistische und faschistische Einstellungen in einer "sogenannten" Religion, totalitäre Tendenzen. Einige Kritiker des "scientologischen Fanatismus" oder "Fundamentalismus" weisen jede Diskussion darüber zurück, ob es sich um eine Religion handelt oder nicht, denn sonst würde das verfassungsmäßige Recht auf freie Religionsausübung in Betracht gezogen werden müssen. Deshalb behandelt die öffentliche Meinung scientologische Einzelheiten als Täuschung - als ob Religion frei davon ist. Losgelöst von Details - sie zu diskutieren bedarf es mehr als eines kurzen Kommentars - zeigt die jüngste Reaktion auf den Film das Problem: Scientology wird zu einer wirtschaftlichen Macht. In Deutschland ist der Film ein Symbol - wenigstens für christlich-konservative Leute, die an ökonomischer Macht interessiert sind (und ihrem Schutz). In Deutschland ist christliche Religion eines der Instrumente ökonomische Macht in Händen zu behalten. Und was plötzlich geschieht: jene Leute, die - ihre eigenen religiösen und ökonomischen Werte betreffend - gewohnt sind, sich mit Bekehrungseifer in fremde Angelegenheiten zu mischen, werden zu Hause mit nicht weniger aggressivem missionarischem Eifer konfrontiert. Ihre Reaktion ist ein Echo: Mission? Impossible! Sie ereifern sich, weil sie fühlen, daß ihre Proselyten beginnen, anderen Werten hinterherzulaufen. Es handelt sich um einen Religionszwist. Und in Zeitläuften des Verlustes traditioneller Werte gibt es keine Chance da herauszukommen, wenn Religionsfragen nicht an beiden Seiten gleichermaßen gestellt werden: zum Beispiel die Frage nach der Täuschung, die jeder Glaubensmission inhärent ist.


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