Text-Nummer: 0108

Schaltung am: 15.08.1996
Rubrik(en): Kultur
Umfang des Textes in Zeichen: 1787
Verfasser(in): Richard Binz
Geschrieben am: 14.08.1996
Kürzel: bi
Originaltitel: Jetzt kommts dicke ...
Copyright: Richard Binz
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Diskussion/Leserbriefe:

Richard Binz

Jetzt kommts dicke ...

"Für alle Fälle Fitz" heißt die neue Krimi-Reihe, mit der das ZDF seine Zuschauer Sonntags aus dem Alltagstrott von Peng und Bumm reißt. Wenn die Drehbücher den Zuschauern weiter so in die erste Reihe geschleudert werden, dann könnten diese wirklich einmal wieder aufwachen: Wie die Studenten, denen Dr. Fitzgerald, der Psycho-Detektiv der Serie, in der ersten Folge gehörig Zunder gibt. Denn so tritt der von Robbie Coltrane brilliant verkörperte Antiserienheld erstmals in Aktion: Bei einer Vorlesung schleudert er dicke Bände schriftgewordener Geistesgröße - von Descartes bis Freud - in die Zuhörerschaft als wolle er schlafende Hunde wecken. Drehbuchautor Jimmy McGovern schafft, was im Fernsehen eine Seltenheit geworden ist: Er zeigt, daß Verfremdung kein antiquiertes Konzept des Theaters ist. Und er zeichnet mit Fitz eine Figur, mit dessen Zügen sich kaum jemand ungebrochen identifizieren wird können. Der spiel- und trunksüchtige Übergewichtige, Kettenraucher und gescheiterte Vater, der seine Frau und Tochter aus dem Haus treibt und sich bei jeder Gelegenheit danebenbenimmt, trägt so dick auf, daß man die Darstellung nicht mehr auf die leichte Schulter nehmen kann. Die unverschämte Art, mit der er seine Zeitgenossen angeht, unterscheidet sich wohltuend von dem tough guy image andere Serien. Er wirft ein emotionales Gewicht in die Waagschale, das zur eigenen Verwertung nicht einfach wieder herausgenommen werden kann. In seine Haut läßt es sich nicht so einfach schlüpfen wie in Bogarts Mantel. Fitz' Arrangement mit dem Kaputten ist der Aufmerksamkeit wert. In Zeiten der Verbannung der Süchte der Menschen von Bildschirm zeigt er, wie es sich abspielt. Vor dem Bildschirm, in den Zuschauern. Nicht so, aber so ähnlich.


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