Text-Nummer: 0049

Schaltung am: 10.06.1996
Rubrik(en): Politik
Umfang des Textes in Zeichen: 1346
Verfasser(in): Werner Sinkel
Geschrieben am: 10.06.1996
Kürzel: Sin
Originaltitel: Eliten
Copyright: Werner Sinkel
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Diskussion/Leserbriefe:

Werner Sinkel

Eliten

Wer sich, wie die FDP bei ihrem Parteitag, die "Eliten" zum Klientel auserkoren hat, wagt einen mutigen Schritt. Die Selbstprofilierung als Parteigänger hochqualifizierter Herzschrittmacher der Gesellschaft, als Interessensvertreter genialer Köpfe, die "uns aus dem herausbringen sollen, worin wir stecken" (frei nach Kinkel), bekundet einen hohen Anspruch. Dieser behauptet nämlich, daß man den "Eliten", mit denen man gerne einen heftigen Wahlflirt hätte, wahlverwandt sei. (Wenn nicht mit ihnen identisch.) Die "Eliten" werden den Anspruch der FDP prüfen. Der Parteitag machte allerdings nicht den Eindruck, als könne die Prüfung bestanden werden. Die Konzepte schienen selbst den eigenen Parteimitgliedern nicht geeignet, "uns aus dem herauszubringen, worin wir stecken."
Aber vielleicht ist der Widerspruch keiner, der sich zwischen Anspruch und Selbstdarstellung ergibt. Vielleicht wird in der FDP unter "Elite" das verstanden, was sich im Erscheinungsbild der Partei zeigt: ausgewählte gesellschaftliche Wirkungslosigkeiten - und ihre Verkörperungen. Vielleicht aber ist auch Nachsicht nötig: In der Regel nennen sich jene "Elite", die es gerne währen. Sie brauchen das. Als Gruppe kommen sie dadurch zustande, daß sie sich selbst wählen - niemand sonst. Und bei dieser Aus-Wahl ist die FDP tatsächlich fast schon angekommen.


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