Werner Sinkel
Eliten
Wer sich, wie die FDP bei ihrem Parteitag, die "Eliten"
zum Klientel auserkoren hat, wagt einen mutigen Schritt.
Die Selbstprofilierung als Parteigänger hochqualifizierter
Herzschrittmacher der Gesellschaft, als Interessensvertreter
genialer Köpfe, die "uns aus dem herausbringen
sollen, worin wir stecken" (frei nach Kinkel),
bekundet einen hohen Anspruch. Dieser behauptet nämlich,
daß man den "Eliten", mit denen man
gerne einen heftigen Wahlflirt hätte, wahlverwandt
sei. (Wenn nicht mit ihnen identisch.) Die "Eliten"
werden den Anspruch der FDP prüfen. Der Parteitag
machte allerdings nicht den Eindruck, als könne
die Prüfung bestanden werden. Die Konzepte schienen
selbst den eigenen Parteimitgliedern nicht geeignet,
"uns aus dem herauszubringen, worin wir stecken."
Aber vielleicht ist der Widerspruch keiner, der sich
zwischen Anspruch und Selbstdarstellung ergibt. Vielleicht
wird in der FDP unter "Elite" das verstanden,
was sich im Erscheinungsbild der Partei zeigt: ausgewählte
gesellschaftliche Wirkungslosigkeiten - und ihre Verkörperungen.
Vielleicht aber ist auch Nachsicht nötig: In der
Regel nennen sich jene "Elite", die es gerne
währen. Sie brauchen das. Als Gruppe kommen sie
dadurch zustande, daß sie sich selbst wählen
- niemand sonst. Und bei dieser Aus-Wahl ist die FDP
tatsächlich fast schon angekommen.