Text-Nummer: 0073

Schaltung am: 10.07.1996
Rubrik(en): Politik
Umfang des Textes in Zeichen: 2820
Verfasser(in): Werner Sinkel
Geschrieben am: 09.07.1996
Kürzel: Sin
Originaltitel: Ein klares politisches Signal
Copyright: Werner Sinkel
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Diskussion/Leserbriefe:

Werner Sinkel

Ein klares politisches Signal

Es ist an der Zeit, mit dem Lamento über unterlassene Schritte zur Vermeidung der Klimakatastrophe Schluß zu machen. Die Zeit der Appelle ist vorbei. Es gilt, neue Aufgaben zu stellen. Und da es die Herrschaft technischer Rationalität ist, der mit ethischen Argumenten nicht beizukommen ist, sollte auch auf zukünftigen Klimakonferenzen der UN ein neuer Kurs eingeschlagen werden. In Genf wurde ein "klares politisches Signal" gefordert. Die Erfahrung zeigt, daß sich kaum jemand an die bisher hochgehaltenen Stopschilder hält.
Die zu stellende Aufgabe muß also eine ökonomische sein. Eine profitträchtige. Diese Aufgabe kann nicht die Vermeidung von Produktion beinhalten, sie muß sich einer Anti-Produktion widmen. Es ist hohe Zeit, sich wissenschaftlich und technisch der Neutralisierung des "Treibhausgases" zu widmen. Und der Frage der Produktion von Ozon und seiner Emission in hohen Schichten der Athmosphäre. Die Welt lebt vom Machbarkeitswahn und sie liefert sich den Folgen seines Kalküls aus. Also macht. Und fangt jetzt damit an, damit euch nicht die Luft ausgeht, bevor ihr anfangt schwarze Zahlen zu schreiben.
Das geht nicht? Wieso? Das müßt ihr uns erklären. Unser Vertrauen in die chemische Industrie ist unerschütterbar. Ihr werdet schon eine Lösung finden. Ihr müßt sie finden. Denn weil unser Vertrauen grenzenlos ist, sehen wir keinen Grund, etwas zu ändern. Ihr erwartet doch nicht ernstlich, daß wir unseren alten Ofen einmotten und frieren, während ihr produziert und produziert. Also produziert gefälligst.
Und meint ihr Politiker, wir glauben euch? Für wie dumm haltet ihr uns eigentlich, daß wir euch abnehmen sollen, es gäbe keine andere Möglichkeit als den Verzicht? Denn wenn ihr Politiker das wirklich ernst meinen würdet, dann würdet ihr doch handeln. Lächerlich: Als gäbe es keine Mittel, wenn es wirklich nötig wäre. Ihr glaubt doch selbst nicht daran. Also macht gefälligst eure Arbeit und hört auf, euch bei Konferenzen glücklich zu reden. Wieviel haben die Kongresse bisher gekostet? Ihr wollt uns doch wohl nicht wirklich einreden, daß ihr inzwischen nicht mindestens genausoviel für die Entwicklung von Anti-Produktionen ausgegeben habt. Die Sache mit den Ufos: Das sind doch alles Ozon-Ballons, die das Zeug hochbringen. Außerdem hat die Begegnung der dritten Art doch längst stattgefunden, denn woher wissen die bei Enterprise sonst so genau, wie man ganze Welten rettet. Warum also wollt ihr, daß wir uns anders verhalten? Obwohl ihr wißt, daß irgendwann einer nur einen Knopf zu drücken braucht, damit die Klimakatastrophe abgewendet wird.
Außerdem fangen jetzt die Olympischen Spiele an.


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