Gerhard Büntig
Fake
Nun hat sich das Video mit dem Hoppe-Hoppe-Reiter-Spiel, das vermeintlich eine junge englische Dame von Rang mit ihrem Reitlehrer zeigte, als Fälschung herausgestellt. Das Massenblatt "Sun" konnte sich also der Häme des Massenblatts "Daily Mirror" sicher sein. Der Absurdität der Medienschlacht setzte die "Entschuldigung" der "Sun" an eben jene erwähnte Dame die Krone auf. Die Entschuldigung lautet im Grunde: Tut uns leid, daß sie es nicht gewesen sind. Aber mit solchen Stilblüten muß der Leser solcher Blätter immer rechnen und aus der Mischung von devotem und anzüglichem Geschwätz, unterfüttert mit einem Schlüssellochblick, zieht er seine täglichen voyeuristischen Kicks. Man wird Zeitungen wie der "Sun" auch nicht vorwerfen können, sie würden die journalistische Sorgfalt vernachlässigen. Solche Blätter verfügen darüber per definitionem nicht. Recherche bedeutet für Printmedien, die nichts als den Wunsch bedienen, sich täglich in etwas fremdem Schmutz zu wälzen, Suche nach möglichst triefen Suhlkuhlen (sic). Die Wahrheit ist: Fake. Und Fake ist die Wahrheit. Denn "wahr" ist ohnehin, was in solchen Blättern steht, weil es wahr sein soll. So macht es gar nichts, daß das Video Fake ist. Viel wichtiger ist, daß es nicht nur wahr sein könnte, sondern es im Grunde ist. Und viel wichtiger ist, daß im Lichte solcher Medien alles so aussieht, als sei es gerade einer triefen Suhlkuhle entstiegen: Politik, Wirtschaft, Kultur. Sie zeigen, daß wir es genau so lieben: Je triefender desto schmier. Jaaa.