Carsten Wilp
Fair Play (1): Brachialitäten
Im Anschluß an die "Abwehrschlacht" der Deutschen Mannschaft gegen Italien zeigt sich der Bundestrainer betroffen: Auffällig seien sie schon, die sich häufenden Stürmerfouls; und die Schiedrichter würden die Abwehrspieler nicht schützen; das mache einen Trainer nachdenklich. Verkehrte Welt: Nicht die Verteidiger treten auf die Notbremse, die Stürmer betätigen sich als Blockadebrecher. Nun kann man darüber streiten, ob Brachialität durch eine provozierte Passivität nicht herausgefordert wird. Wenn eine Mannschaft beispielsweise nicht mitspielt, sondern deren "Spieler" nur noch im Weg herumstehen. Dann wäre der Satz bedenkenswert: Fair Play bedarf der Teilnahme am Spiel. Was die Deutsche Mannschaft aber im Spiel gegen Italien bot, könnte auch als Spielverweigerung gedeutet werden. Daß sich der Gegener dann genötigt sieht, spielfremde Mittel einzusetzen, heiligt diese zwar nicht, es sei denn, als Erfolg würde die Dezimierung einer Mannschaft angesehen. Es macht Brachialität aber als Konsequenz einer "Spielweise" deutlich, die reines Mauern für Spielkultur hält.