Carsten Wilp
Fair Play (3): Illusionäre Utopie
Man kann nicht auf den "jugendlichen Überschwang"
von Spielern schließen, wenn sie "in der
Hitze des Gefechts" zu unfairen Mitteln greifen
- auch gestandene Männer führen schließlich
Krieg. Der aber ist dadurch gekennzeichnet, daß
letztlich nur einer die Regeln diktiert: der Stärkere.
Das Extrem des Krieges macht deutlich, daß die
Stellvertreterkämpfe des Sports eine kulturelle
und zivilisatorische Leistung sind - auch wenn das
mancher nicht glauben mag. Im Fußball darf also
letztlich nicht jedes Mittel recht sein zu siegen.
Sonst ist er Krieg. Fußball ist aber nicht die
Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln; denn internationaler
Sport ist längst ein Mittel der Politik.
Im Jahr der Fußball-Europameisterschaft und der
Olympischen Spiele besteht die Chance, zumindest für
kurze Zeit, Nationalismen zu binden und Aggressionen
auszuspielen. Und wieder kommt dem naiven Betrachter
der Gedanke: Was spricht eigentlich dagegen, aus dem
Spiel Ernst zu machen? Denn wenn aus dem Ernst kriegerischer
Auseinandersetzungen Spiel würde, dann kämen
neue Regeln ins Spiel, die vielleicht sogar auch ihren
gelegentlichen Bruch tragbar erscheinen ließen.
Illusionäre Utopien am Ende der Vorrunde eines
Fußballturniers.