Text-Nummer: 0091

Schaltung am: 26.07.1996
Rubrik(en): Sport
Umfang des Textes in Zeichen: 1141
Verfasser(in): Steve Miller
Geschrieben am: 25.07.1996
Kürzel:
Originaltitel: Panem et Circenses - Atlanta '96 (5)
Copyright: Steve Miller
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Diskussion/Leserbriefe:

Steve Miller

Panem et Circenses - Atlanta '96 (5)

Auch bei den deutschen Medien geht die Liebe durch den Magen - sie haben Sportler zum Fressen gern. Allerdings eigentlich nur, wenn sie mit einem Goldüberzug daherkommen. Dann stürzen sich die Sportreporter auf sie, speicheln sie vor laufender Kamera ein und verdauen sie stellvertretend für die Zuschauer - um sich schließlich auch stellvertretend für diese auf den Bauch zu klopfen. Solcher Genuß mochte sich bisher nicht einstellen. Denn - wie heißt es in der Werbung - wenn man nur zweiter wird, dann hat man nicht Silber gewonnen, sondern Gold verloren. Auch deutsche Sportreporter finden das etwas übertrieben - doch man sieht es ihnen an, daß ihnen das Fehlen der goldenen Garnierung sauer aufstößt und Magenschmerzen bereitet. (Natürlich nur stellvertretend für die Zuschauer.) Nach Tagen der Leersekretion ist es nun ein Glück, daß in der deutschen Mannschaft gleich drei Goldmedaillen gewonnen wurden. Einer oder eine alleine wäre bei all dem, was sich da angesammelt hat, derart eingespeichelt worden, daß von ihm oder ihr kaum etwas anderes übriggeblieben wäre als das Gold.


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