Jens Fricke
"Para"lympics?
Warum sind die Paralympics "para" und nicht olympisch? Weil die Beantwortung dieser Frage eine ganze Reihe unangenehmer und unbequemer Antworten fordern würde. Das ganze mediale Geplänkel über die Wertschätzung der Paralympics vermeidet deshalb die Kardinalfrage. Denn alle "nachvollziehbaren" Gründe für den Ausschluß Behinderter von den Olympischen Spielen hören in dem Augenblick auf, nachvollziehbar zu sein, in dem mit den Ansprüchen ernst gemacht wird, die im Umfeld der Paralympics in aller Munde sind. Stellen wir also die Frage: Warum, in aller Welt, ist Rollstuhlfahren keine olympische Sportart? Warum soll sich ein Schwimmer, dem zwei Finger einer Hand fehlen, nicht mit einem Schwimmer messen, der etwas zu kleine Füße hat? Und warum sollen fehlende Beine beim Rollstuhlfahren nicht von Vorteil sein dürfen, wenn beim Radfahren der Vorteil bei jenen liegt, die es schaffen, dem Gegenwind ein Schnippchen zu schlagen? Was spricht dagegen, Diskuswerfen aus dem Sitzen ins olympische Programm aufzunehmen, wenn beim Beachvolleyball die Beweglichkeit durch den Sand doch künstlich behindert wird? In jeder Sportart der sogenannten Normalen gibt es eine Behinderung, die überwunden werden muß. Da stellen sich Leute Hürden in den Weg, um sie zu nehmen. Warum nehmen sie nicht einen Rollstuhl? Es gibt sogar Leute, die mit geschlossenen Augen Hindernisse überwinden. Aber es stimmt: In einem dunklen Raum, in dem für Blinde und Sehende die gleichen Bedingungen herrschen, werden die Kameras behindert. Und damit wir alle, die wir kaum wissen einen Weg zu finden, wenn wir nicht hören können, wie ihn uns ein anderer weist.