Carsten Wilp
"... und dann so etwas."
Oliver Bierhoff hat nach dem Länderspiel Polen
gegen Deutschland etwas Interessantes gesagt: "Ein
solches Spiel soll die Menschen eigentlich verbinden,
und dann so etwas." Hat Oliver Bierhoff damit
gesagt, daß das Spiel die Menschen nicht miteinander
verbunden hat? Warum konnte das Spiel die Menschen
nicht miteinander verbinden? Ist vielleicht irgendetwas
fragwürdig an dem Gedanken, daß das Länderspiel
zweier Nationalmannschaften dazu dient, die Menschen
miteinander zu verbinden? Kann es sich bei einem Länderspiel
eigentlich um ein Freundschaftsspiel handel, bei dem
sich Menschen aus zwei Nationen in aller Freundschaft
"zusammenraufen", während 22 Spieler
aus beiden Nationen um einen Ball raufen? Wie kann
ein Kampfspiel, in dem es darum geht, daß der
eine den anderen besiegt, die Menschen verbinden? Wie
kann in einem Länderspiel, in dem es darum geht,
daß Deutschland Polen oder Polen Deutschland
besiegt zu einer Verbindung zwischen den Menschen kommen.?
Gut, Menschen können sich angesichts einer Sache
miteinander verbinden. Zum Beispiel sind Menschen darin
verbunden, daß sie den Sport lieben. Deshalb
müssen sie sich noch nicht untereinander lieben.
Trotzdem verbindet sie der Sport. Sie können auch
dadurch verbunden sein, daß sie einen Sport lieben,
in dem es darum geht, daß eine Nationalmannschaft
eine andere Nationalmannschaft schlägt. Sie können
auch darin miteinander verbunden sein, daß sie
meinen, daß eine Nationalmannschaft das andere
Land nicht richtig schlägt. Dann sind die Menschen
sehr schnell und eigentlich miteinander verbunden,
weil sie es nun übernehmen, den über den
Sport mit ihnen Verbundenen zu zeigen, wie man sich
richtig schlägt, um den anderen zu schlagen. Wieso
eigentlich sollen die Menschen angesichts des Länderspiels
Polen gegen Deutschland nicht miteinander verbunden
gewesen sein? Sie sind doch in einem Verbund in Polen
"einmaschiert", wie sie es sagten. Sie haben
sich als Verbindung gezeigt, die es "den Schindler-Juden
schon zeigen" werde. Wieso also hat "ein
solches Spiel" nicht geschafft, was es "eigentlich"
sollte: die Menschen zu verbinden?
Was geschehen ist - und das ist das Problem - das ist,
daß sich öffentlich gezeigt hat, was sich
sonst nur in den Köpfen der am Kampfsport Interessierten
abspielt. Hier hat das Spiel nationalistische Phantasien
und Größenwahn einmal nicht gebunden, sondern
entbunden. Denn soviel ist sicher: Ohne den Einmarsch
der deutschen Mannschaft in das Stadion von Gornik
Zabrze wären auch jene nicht in Polen einmaschiert,
die den mit ihnen im Geiste Verbundenen einmal zeigen
wollten, wie man es richtig macht: ein anderes Land
zu schlagen, um sich dann grölend und feixend
davoneskortieren zu lassen. Deshalb gilt es die Verbindung
aufrecht zu halten und den polnischen Nachbarn zu sagen:
Seht, sie wollen den Knüppel. Sie wollen, daß
man ihnen zeigt, wie man andere richtig schlägt.
Sie wollen nicht Fußball, sie wollen Prügel.
Wenn Ihr Euch also als gute Nachbarn zeigen wollt,
dann tut uns doch bitte den Gefallen und erfüllt
den mit uns verbundenen Menschen aus unserem Land ihren
Wunsch. Gebt ihnen die Prügel. Reichlich. Und
von uns gleich mit. Wir wären Euch sehr verbunden.
Und auch wir wollen aufhören, unverbindliches
Zeugs zu reden: Wir schicken eine Nationalmannschaft,
damit sie eine andere Nationalmannschaft schlägt
- oder daß sie von dieser geschlagen wird. Aber
es gibt so reichlich Prügel auf dieser Welt und
so viele, denen der sportliche Wettstreit nicht reicht,
daß wir nicht sparen sollten. Wir geben ihnen,
was sie sich wünschen, auf unserer Seite und Ihr
gebt es Ihnen auf Eurer Seite. Vielleicht können
wir einen neuen Wettstreit der Nächstenliebe eröffnen:
Wer gibt den Hooligans mehr von dem was sie sich wünschen?
Wer also sagt, daß ein solches Spiel die Menschen
nicht miteinander verbinden kann?