Jens Fricke
Freundschaftsspiel
Das Spiel der Deutschen Nationalmannschaft gegen die
Israelische Nationalmannschaft war mittelmäßig.
Und umgekehrt. Und dennoch war es ein besonderes Spiel.
Schon lange nicht mehr dürfte die Deutsche Mannschaft
mit einem derart geringen Interesse an ihrer sportlichen
Leistung konfrontiert gewesen sein. Schließlich
mußten Tausende von Karten verschenkt werden,
um das Spiel nicht vor leeren Kulissen stattfinden
zu lassen.
Ganz anders das Interesse beim Besuch Israelischer Gedenkstätten
und -einrichtungen. Die Spieler litten sehr unter dem
Blitzlichtgewitter der Fotoapparate, wie man hört.
Wenn eine Deutsche Fußballmannschaft nach Israel
fährt, so tut sie dies nicht nur in ihrer Eigenschaft
als Sportverein mit Geschichte. Viele Augen blicken
darauf, ob sie sich auch im Bewußtsein anderer
Geschichtszusammenhänge zu benehmen weiß.
Vielleicht ist ein israelischer Kommentar sehr nahe
daran, eine Wahrheit über das Spiel auszusprechen:
Man habe den Eindruck gehabt, bei diesem Spiel habe
der Deutsch-Israelische-Freundschaftsverein die Regie
geführt. So wird es wohl gewesen sein. Und es
wird noch ein langer Weg sein, bis der Gedanke in Köpfen
von Spielern keine Mehrdeutigkeit mehr entfaltet, der
Gedanke nämlich, das "Israel" "geschlagen"
werden könnte.