Text-Nummer: 0033

Schaltung am: 01.06.1996
Rubrik(en): Wirtschaft
Umfang des Textes in Zeichen: 2215
Verfasser(in): Hermann Althaus
Geschrieben am: 19.05.1996
Kürzel: Alt
Originaltitel: Nein zur IHK
Copyright: Hermann Althaus
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Diskussion/Leserbriefe:

Hermann Althaus

Nein zur IHK

Die Industrie- und Handelskammer ist eine ernstzunehmende gesellschaftliche und wirtschaftliche Instituion. Die Kammer hat es in den vergangenen Jahren verstanden, ihre Position zu stärken. Das hat sie dazu verleitet, auch ihren Zwangsmitgliedern gegenüber Druck auszuüben, den sie nun als Gegendruck zu spüren bekommt. Offenbar ist es den Vertretern der IHK nicht gelungen, kleineren und mittelständischen Unternehmen deutlich zu machen, wie und wie stark sie deren Interessen betreibt. Für viele Gewerbetreibende scheint sich die Kammer nur als Gebühreneintreiberin zu betätigen. Das Bild eines Apparates ist entstanden, der die teilweise erheblichen Zwangsbeiträge nutzt, um sich vor allem selbst zu erhalten und zu promoten.
So werden zu Wahlen Hochglanzbroschüren verschickt, die jedes einzelne Gesicht der zu Wählenden zeigen. Argumente oder Programme, für die diese Gesichter stehen: Fehlanzeige. Derart gezeigte Bilder und manches mehr an plakativer Selbstdarstellung scheinen manchem Unternehmer deutlich gemacht zu haben: Der IHK geht es nicht um Transparenz ihrer Leistungen, sondern um glänzende Selbstdarstellung.
Aber auch der Bundesverband der IHK-Verweigerer i.G. setzt hier keine anderen Akzente. Charakteristisch für Vertretungen von Unternehmensinteressen scheint zur Zeit einzig der Faktor Selbsterhaltung zu sein. Die Kapitaldecken sind knapp. Daß sich ein Interessenverband gegen die vorgeblichen Verkrustungen der IHK einzig dem Vereinszweck Nein zur IHK zu verschreiben scheint, gibt zu denken. Halten die mehr als 2000 Unternehmen, die sich in Kassel zusammenschließen wollen, die momentane Wirtschaftssituation für so anarchisch, daß sie das Einzelkämpferdasein der Interessenvertretung vorziehen?
Der Eindruck drängt sich auf. Aber vielleicht löst sich der neue Verband ja nicht auf, wenn er seinen Zweck wirklich erreicht hat. Daß bisher allerdings keine Alternativvorschläge zur Interessenvertretungspolitik der IHK an die Öffentlichkeit gedrungen sind, stimmt nicht zuversichtlich. So mag das Nein zur IHK verständlich sein. Ein Nein zu einer angemessenen Interessenvertretung auch kleiner und mittelständischer Unternehmen ist es nicht.


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