Hermann Althaus
Nein zur IHK
Die Industrie- und Handelskammer ist eine ernstzunehmende
gesellschaftliche und wirtschaftliche Instituion. Die
Kammer hat es in den vergangenen Jahren verstanden,
ihre Position zu stärken. Das hat sie dazu verleitet,
auch ihren Zwangsmitgliedern gegenüber Druck auszuüben,
den sie nun als Gegendruck zu spüren bekommt.
Offenbar ist es den Vertretern der IHK nicht gelungen,
kleineren und mittelständischen Unternehmen deutlich
zu machen, wie und wie stark sie deren Interessen betreibt.
Für viele Gewerbetreibende scheint sich die Kammer
nur als Gebühreneintreiberin zu betätigen.
Das Bild eines Apparates ist entstanden, der die teilweise
erheblichen Zwangsbeiträge nutzt, um sich vor
allem selbst zu erhalten und zu promoten.
So werden zu Wahlen Hochglanzbroschüren verschickt,
die jedes einzelne Gesicht der zu Wählenden zeigen.
Argumente oder Programme, für die diese Gesichter
stehen: Fehlanzeige. Derart gezeigte Bilder und manches
mehr an plakativer Selbstdarstellung scheinen manchem
Unternehmer deutlich gemacht zu haben: Der IHK geht
es nicht um Transparenz ihrer Leistungen, sondern um
glänzende Selbstdarstellung.
Aber auch der Bundesverband der IHK-Verweigerer i.G.
setzt hier keine anderen Akzente. Charakteristisch
für Vertretungen von Unternehmensinteressen scheint
zur Zeit einzig der Faktor Selbsterhaltung zu sein.
Die Kapitaldecken sind knapp. Daß sich ein Interessenverband
gegen die vorgeblichen Verkrustungen der IHK einzig
dem Vereinszweck Nein zur IHK zu verschreiben scheint,
gibt zu denken. Halten die mehr als 2000 Unternehmen,
die sich in Kassel zusammenschließen wollen,
die momentane Wirtschaftssituation für so anarchisch,
daß sie das Einzelkämpferdasein der Interessenvertretung
vorziehen?
Der Eindruck drängt sich auf. Aber vielleicht löst
sich der neue Verband ja nicht auf, wenn er seinen
Zweck wirklich erreicht hat. Daß bisher allerdings
keine Alternativvorschläge zur Interessenvertretungspolitik
der IHK an die Öffentlichkeit gedrungen sind,
stimmt nicht zuversichtlich. So mag das Nein zur IHK
verständlich sein. Ein Nein zu einer angemessenen
Interessenvertretung auch kleiner und mittelständischer
Unternehmen ist es nicht.