Hermann Althaus
Schuß vor den Bug
Die Initiative der IHK-Verweigerer zeitigt Wirkung. Nun findet sie auch politische Unterstützung: Alfred Tacke, Staatssekretär im niedersächsischen Wiortschaftsministerium, spricht sich gegen eine Zwangsmitgliedschaft von Unternehmen in der Industrie- und Handelskammer aus. Für diese ist das Signal aus Niedersachsen ein Schuß vor den Bug: Offenbar läßt sich der bisherige Kurs nicht mehr halten. Daß Tacke in einem Interview des "Handelsblattes" eine niedersächsische Unterstützung der Verweigerungs-Initiative bei der Wirtschaftsministerkonferenz im November ankündigt, ist allein schon bemerkenswert. Interessant für die augenblickliche politische und wirtschaftliche Orientierung Niedersachsens und damit auch Gerhard Schröders ist aber eine weitere Anregung: Die IHK solle 50 Prozent ihres Haushaltes auf dem freien Markt erwirtschaften. So mutig dieser Vorstoß ist, so sehr trifft er den Kern des Problems. Bürokratisierung - ein Kritikaspekt der IHK-Verweigerer - und damit verbundene Trägheiten, die von kleinen und mittelständischen Unternehmen beklagt werden, lassen sich wirksam nur durch Konkurrenz zurückstutzen. Hier allerdings fehlen nach wie vor ausgereifte inhaltliche Konzepte der Verweigerer, die einen Wettbewerb auch bei der Interessenvertretung von Industrie und Handel in Gang setzen könnten.