Franziska Timm
Sie sind immer noch nicht "im Internet"?
Sie sind Verantwortlicher in einer kleinen oder mittelständischen
Firma? Sie sind immer noch nicht "im Internet"?
Sie wissen nicht einmal, was das ist? Wozu man das
braucht? Welchen Nutzen es bringt? Dann gehören
Sie zu den Leuten, die es vor noch nicht allzulanger
Zeit vermieden hätten, mit der ersten Dampflock
zu fahren, weil sie Angst hatten, vom Geschwindigkeitsrausch
erfaßt zu werden. Das Internet mag zur Zeit noch
eine Dampflock sein. Zum Transrapid wird es sich aber
noch zu Zeiten Ihrer Geschäftstätigkeit entwickelt
haben. Mit dem Unterschied, daß dieser dann sehr
wohl an jeder Milchkanne halten wird.
Es war zu erwarten. Compuserve schlägt die Brücke
zum Internet. Der weltweit zweitgrößte Online-Dienst
hat die Zeichen der Zeit erkannt. Die Umstellung auf
Internet-Format wurde unvermeidbar. Während also
hier der Brückenschlag funktioniert, sehen viele
kleine und mittelständische Unternehmen nicht
einmal, daß es überhaupt Überbrückungsnotwendigkeiten
gibt. Nämlich solche zwischen ihren konventionellen
Geschäftstätigkeiten und den Geschäftsprozessen
der nahen Zukunft. Was ist los?
Die Sprödigkeit und Kühle, mit der viele kleine
und mittelständige Unternehmen den Möglichkeiten
des Internets immer noch begegnen, ist verständlich.
Abwarten ist hier die Devise. Zu ungenau scheinen Zielgruppenanalysen
immer noch zu sein. Zu wenig kalkulierbar scheint das
Verhältnis von Kosten und Nutzen einer Internetpräsentation,
zumal für Unternehmen, deren Kapitaldecke unter
den gegenwärtigen Bedingungen kaum noch die Eigenwärme
hält. Wie sich da für neue Möglichkeiten
erwärmen?
Aber gerade kleinere Unternehmen müssen aufpassen,
daß sie nicht von einem Zug abgekoppelt werden,
der mit atemberaubender Geschwindigkeit in die Zukunft
des Kommunikations- und Dienstleistungsbereichs braust.
Gerade für kleinere Firmen, die sich heute noch
nicht vorstellen können, "wieso das Internet
für uns interessant ist", gilt es, die Anschlußzeit
nicht zu verpassen. Noch ist es Zeit, in Ruhe Konzepte
zu entwickeln und Erfahrungen zu machen. Die Kosten
hierfür sind in der Regel niedriger als allgemein
angenommen. Und wer nicht nur mittelfristig plant,
sondern sein Geschäft auch nach dem Jahr 2000
noch als konkurrenzfähiges Unternehmen führen
will, der sollte sich die Analogie zu Post, Telephon
und Fax vor Augen führen. Wer wäre heute
noch in der Lage, seine Geschäfte ohne diese Kommunikationsmedien
zu führen? Der Unterschied zu diesen ist jedoch
nicht nur der qualitative Sprung, der durch die digitale
Vernetzung stattgefunden hat und stattfindet. Ein Unterschied
ist auch, daß es sich niemand mehr leisten kann,
den Gebrauch neuer Techniken der nächsten Generation
zu überlassen - denn diese wird unter den dann
bestehenden Bedingungen wahrscheinlich kein Geschäft
mehr vorfinden, das sie noch übernehmen und modernisieren
könnte.
Abwarten und Teetrinken ist keine Strategie mehr. Vielmehr
gilt es zur Zeit, beim Tee die entscheidenden Schritte
zu unternehmen. In aller Ruhe. Denn die zeitlichen
und finanziellen Aufwendungen, die für einen Einstieg
ins Internet heute abgezweigt werden müssen, werden
in keinem Verhältnis zu dem Aufwand stehen, der
getrieben werden muß, wenn einst der Zugzwang
besteht. Die erforderlichen Investitionen werden dann
die unter Zugzwang geratenen kleinen Unternehmen überfordern.
Teure Angestellte, die über das nötige know
how verfügen, werden sie sich nicht leisten können.
Und die Delegation der Präsentation an Internet-Server
wird ein vielfaches kosten, wenn diese verwalten müssen,
was man selbst verwalten könnte. Viel wichtiger
aber wird der Faktor Zeit sein: Denn je später
der Einstieg erfolgt, desto länger wird es dauern,
den Markt im Sinne der eigenen Unternehmensinteressen
nutzen zu können. Denn das Internet wird immer
bleiben, was es ist: Ein Feld des learning by doing,
das zu erobern niemand anders überlassen werden
kann, weil es um das tägliche Brot gehen wird.
Oder lassen Sie essen?